Freitag, 14. Dezember 2012

Atlantiküberquerung - Nachlese

Das Erlebnis Atlantiküberquerung in Worte zu fassen ist eigentlich unmöglich. Wenn man nicht selbst mitgefahren ist, kann man sich nicht vorstellen, was es für Emotionen sind, wenn die ersten Vögel nach Wochen an Bord auftauchen. Ich kann Euch vom Fink erzählen, der einfach mit eingestiegen ist, und ein paar Tage mitgefahren ist , oder siehe ganz unten das Photo von einem Ibis-Paar, das ein paar hundert Meilen bei ziemlichem Starkwind so erschöpft war, dass es eine Weile einfach mitgefahren ist. Sie können ebenso wenig auf dem Wasser ausruhen, einfach mal aussteigen, wie wir unser Gefährt nicht einfach mal anhalten konnten, wie ein Auto am Straßenrand abstellen, Motor aus - Ruhe. Nein, ein Schiff ist immer in Bewegung, macht immer Lärm, durch meterhohe Wellen verursacht (s.u.). Man ist immer bewegt, abschalten geht kaum. Wenn man nicht mit allen Sinnen dabei ist, den Himmel beobachtet und die in wirklich Sekunden aufziehenden Squalls mit kurzen, starken Winden aus ganz anderen Richtungen bemerkt, dann ist es zu spät, noch zu reffen oder Parasailor bzw. Großsegel zu bergen. Viele Schiffe hatten genau deshalb Stag gebrochen, Segel gerissen etc. Wir sind glücklich, dass eigentlich nur der Karten-Plotter ausgefallen ist, auf den wir verzichten konnten dank doppelter bzw. dreifacher Laptop-Navigation und Pad und iPhone (Navionics-Karten als backup immer dabei). Ich könnte jetzt hier die üblichen Statistiken auflisten, nur 48 Stunden motort mit einer Maschine, Monika ca. 8 Brote gebacken, 10  große Fische gefangen usw., aber was sagt das aus über das, was man auf dieser wohl längsten Passage im Leben eines Seglers von über 5500 km wirklich empfunden hat? Die Angst angesichts der fast masthohen Wellen ist nicht zu beschreiben, verschwindet auch mit der Zeit positiver Erfahrungen nie ganz. Geblieben ist bis zuletzt die Sorge, was man ohne Autopilot (Selbststeuerungsanlage) gemacht hätte. Wir haben jeden Tag ein paar Stunden von Hand gesteuert, auch um in Routine zu bleiben. Aber es wäre schon eine kleine Katastrophe gewesen, wenn man nachts statt nur alle 15-20 Min nach Lichtern und auftürmenden Wolkenbergen  zu schauen, permanent hätte lenken müssen. Wir hatten meist nur die Fock (und die sogar bei unbeständigen Winden auch noch gerefft) draußen und somit keinen Stress. Das Schiff fuhr sozusagen allein. Irgendwann haben wir notgedrungen lernen müssen, trotz der vielen heftigen Geräusche in der Koje total abzuschalten und demjenigen zu vertrauen, der gerade draußen Wache hat. Der hat doppelte Sicherung (AIS-Notsignal und EPIRB Sat-Notsender) , weil niemand hören würde, wenn er/sie über Bord gegangen wäre.  Das Schiff wär einfach allein weitergefahren, erst die nächste Wache nach 3 Stunden hätte den Verlust bemerkt. Aber die Alarme hätten sofort ausgelöst, an Bord und in den Rettungs-Koordinierungsstellen an Land.
Auf die Frage, ob dies alles Glück sei, kamen gestern nach unserem "Happy Landing Festessen" (von Enrico zubereitete Röstis mit Apfelmus unter unvorstellbarem Sternhimmel) ganz unterschiedliche Kommentare. Man muss schon ziemlich verrückt sein, wenn man so etwas jahrelang macht, wie diverse Segelbuch-Autoren. Ein Stück Masochismus gar? Jede Gipfelbesteigung ist auch Schinderei, und doch ist das errungene Glück nicht vergleichbar mit dem, was der Seilbahnfahrer kurz bei einem schönen Ausblick empfindet. Gehört Leid zum Glück dazu? Wir haben Glück gehabt, es ist nichts gravierendes passiert.  `Glück gehabt` ist nicht das gleiche, wie `glücklich sein`. Wir haben eine Leistung vollbracht, deren Ausmaß uns jetzt nachher erst wirklich bewusst geworden ist. Es war wirklich kein Kinderspiel,  mit Barfuß-segeln ist es auch nicht getan. Im Gegenteil, wir haben oft genug Schuhe angezogen, bei jedem Segelsetzen-Manöver. Es ist viel harte Arbeit, gute Vorbereitung gewesen, die uns schon mit ein wenig Stolz erfüllt. Wir wissen, dass wir keine fanatischen Weltumsegler sind, selbst wenn der Pazifik mit seinen vielen Inseln unterwegs harmloseres Segeln bedeuten würde, als der rauhe Atlantik. Wir haben es also geschafft, aber es muss jetzt nicht bald wieder eine 3-Wochen dauernde Passage sein, sondern wir freuen uns auf das Inselhopping in Tagestörns. Es gab auch viel weniger Zeit zum Nachdenken, Lesen etc, als wir vorher dachten, oft hat man Tags über mit einigen kurzen Schläfchen die fehlenden Stunden in der Nacht wieder nachgeholt. Und es gab immer was zu tun im Bordalltag. Lesen war bei der Schaukelei nicht besonders erholsam bzw. unmöglich, das Hirn war einfach zu sehr auf schlichte Erholung aus, statt sich mit Literatur auseinander zu setzen.  Geselligkeit ist bei der Arbeitsteilung weniger möglich, als gedacht. Der schönste Tag war die Flaute, zwar etwas bangend, ob der Wind wohl wieder kommen würde, und ich habe an dem Tag gesagt, schlimmer als Sturm an Bord sei die Ungewissheit einer Flaute, aber wir haben zusammen sitzen können, das spiegelglatte Meer genießen können, weil noch nicht viel Diesel verbraucht bis dahin. Ich habe noch nie bewusst einen Himmel gesehen mit solch feiner Wolkenzeichnung und ohne die unpassenden Kondensstreifen der Flugzeuge. Es waren wochenlang keine Flugzeuge am Himmel zu sehen. Das sind diese kleinen Erlebnisse, die uns zum Staunen gebracht haben, oder z.B. der letzte Apfel brüderlich geteilt etc. Das ist alles wie gesagt kaum nachvollziehbar wenn ihr nicht dabei gewesen seid. Auch die Leere, die nach einem erreichten Ziel sich neben Glücksgefühl breit macht. Wir lassen sie zu, haben uns bewusst auch deshalb gegen St. Lucia entschieden, wo all die Legenden an den Stammtischen breit getreten und hochgespielt werden. Wir haben uns ohne vermeintliche ARC-Sicherheit auf uns selbst verlassen müssen und wollen den Rummel, das Feiern der Sieger gar nicht erleben. Die Ruhe hier im kleinen überschaubaren Port St. Charles ohne nächtelange Steelband-Musik ist genau richtig, auch wenn dadurch das Glücksempfinden weniger spektakulär ist, niemand für uns die Regie übernimmt, das wir toll waren. Das innere Fest hat den Wert, den wir ihm geben, das gilt sogar für eines dieser größten Abenteuer, die wir drei in unserem Leben hatten. Keiner steht am Steg und nimmt mit offenen Armen uns Atlatniküberquerer in Empfang. So hatten wir es gewollt. Umso schöner, dass wir uns über einige fröhliche SMS und emails freuen konnten, in denen Ihr Eure Freude und/oder Erleichterung zum Ausdruck gebracht habt.
Was mir die letzten Wochen gebracht haben ist die Erkenntnis, dass es auf die Balance von Vorbereiten und dann aber auch Erleben, Zulassen, sich aussetzen ankommt, auf die Balance von Denken und Nichtdenken = Sein. Vor allem den eignen Raum entdecken, der nichts mit der Umgebung zu tun hat, weil er in Dir ist, unabhängig. Es gibt Umgebungen, in denen der Friede, das Bewusstsein wahrlich leichter zu finden ist, z.B. in der meditativen Stille eines schönen Gartens oder Waldes. Und es kann sein, dass meine Seele zunehmend mehr nach dieser Harmonie sucht, als nach Abenteuer. Aber ich habe das herausgefunden inmitten der Unruhe, Bewegtheit auf hoher See und habe selbst dort meine Ruhe gefunden, meinen Raum drinnen. Das ist auch Glücksgefühl, mehr noch, als die Freude darüber, dass die ganze Vorbereitung und das Konzept der Ausrüstung aufgegangen ist, der Traum vom unabhänigigen Leben mit eigener Strom- und Wassergewinnung realisiert werden konnte.

Das Lenken sieht nicht nach Arbeit aus, aber bequeme Arbeitshaltung bei stundenlangem Lenken ist wichtig ;-)

blinder Passagier

stört mich bei der Navigation

in den Wellenbergen verschwindet unser Schiff mit 16,8 m Masthöhe
gelegentlich komplett



Wie im Paradies....
......wir mussten wirklich nicht hungern

Das sind die Squalls, die in wenigen Minuten irre schnell am Schiff sind und für heftige Turbulenzen sorgen

Das war der Flautenabend, aber auch mit ersten Passat-Wölkchen (wie von einer Dampflock ausgestoßen über dem Horizont)
 
glücklich, dass der Passat sich ankündigt. Bobby Schenk hat eine Woche in der Flaute auf Passat gewartet. Man kann halt nicht einfach unterwegs Diesel tanken. Unserer reichte immerhin für ein sechstel der 2800 SM.

"Wal-Bekanntschaft", wir sahen die Fontaine ein paar hundert Meter vor uns und plötzlich waren die beiden am Boot, wir konnten nicht ausweichen, weil sie aktiv auf uns zuschwammen....

.... und sich am der LIZA regelrecht gerieben haben. Hier seht ihr nur die Nasenspitze...

...., allein das Maul war fast halb so groß wie unser Schiff. Wirklich wahnsinnig aufregend!!!

Da ist uns so ein "kleiner essbarer Fisch" doch lieber (Goldmakrele)


der Ibis ruhte sich einen Tag aus an Bord, wurde immer zutraulicher und putze sich das zerzauste Gefieder


nach getaner Arbeit und der Feststellung, dass ihm Müsli, Brot, Dosenwurst, gekeimter Weizen nicht schmeckte, machte er sich wieder auf den Weg nach Abflauen des Starkwindes (35-38 Knoten!)

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Da sind wir..

Noch nicht wirklich angekommen, können es gar nicht glauben. Ich werde noch zum Schreiben kommen, aber 2 Bilder schon mal vorab. Da liegt die Liza in der Naehe des Hafens auf dem 2. Bild

Wir sind angekommen auf Barbados

Es geht uns super, haben schon einklariert und werden nun erst mal ausschlafen!!! Es ist sehr schön hier, tolle Strände, sehr gepflegt und sehr nette Leute, total relaxed , richtig Karibik wie im Bilderbuch. Werden wohl ein paar Tage bleiben :-)
Spaeter mehr...

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Via Inmarsat:

Wir haben Kurs Barbados beschlossen, Ankft Do frueh weil bequemer mit der
4m Welle vor 25-32Kn Wind u StLucia zu voll ARC

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Sent via Inmarsat. The mobile satellite company

Dienstag, 4. Dezember 2012

Check-in/OK message from Nachricht vonCrew LIZA Position SPOT SPOT Nachrichtenübermittler/Kurier.

Crew LIZA Position
Latitude:Breitengrad17.04720
Longitude:Längengrad-42.62988
GPS location Date/Time:GPS-Aufenthaltsort Datum/Uhrzeit12/04/2012 09:45:07 PST

Message:Message/ NachrichtKurs jetzt SW soweit es d Welle 20Kn zulaesst

Klicken Sie auf den untenstehenden Link um zu sehen, wo ich gerade bin.
http://fms.ws/AZSWP/17.04720N/42.62988W

Wenn der obige Link nicht funktioniert, versuchen Sie diesen Link:
http://maps.google.com/maps?f=q&hl=en&geocode=&q=17.04720,-42.62988&ll=17.04720,-42.62988&ie=UTF8&z=12&om=1

Crew LIZA Position

Sie haben diese Nachricht erhalten, weilCrew LIZA Position hat Sie zu seiner/ihrer SPOT-Kontaktliste.

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nur noch gut 1000 Meilen

Bisher hat mich alles an Bord noch zu sehr absorbiert, es sind immer
wieder Dinge zu überdenken gewesen, ein elektrisches Problem hatte uns
Sorgen bereitet, aber offenbar ist nur eine Batterie in der Kette nicht
in Ordnung und durch Überbrücken haben wir auch bei bedecktem Himmel
wieder Strom genug, steuern trotzdem vorsichtshalber jeder in seiner
3-Stunden-Schicht eine Stunde von Hand, ergibt acht Stunden Ersparnis à
4 Ah, das entpricht etwa 1 Stunde Motoren zum Wiederaufladen. Davon
später mehr.
Es ist jetzt schon der fünfte Tag auf See, wir sind nach mittlerweile
550 SM ganz aufeinander eingespielt, eine richtig gute Crew geworden. Es
wird viel erzählt, gelacht, gesungen, aber auch geschwiegen, so dass es
ein ganz ungestörtes Miteinander-Leben ist. Wir haben uns so darauf
eingestellt, dass wir diese Balance jetzt gar nicht mehr durch einen
Landfall auf den Kap Verden unterbrechen und durcheinanderbringen
wollen. Es gäbe nur einen Grund, dorthin zu fahren: Diesel. Bisher sind
wir aber nur gesegelt.
Heute ist der erste Tag, wo wir in einer Flaute motoren mussten, jedoch
nur eine Stunde lang, nachdem nachts einige Wolken für kurzzeitig
starken Wind gesorgt hatten, der nun auf Nordwest gedreht hat und heute
mittag dann einschlief.. Ich habe zum ersten Mal Gribfiles via Inmarsat
geladen, um die Wind-Störung beurteilen zu können, es wird aber wohl
vorübergehend sein, und das Aufladen tut den Batterien gut. Die
Energiebilanz ist nicht so gut bei relativ viel Wolken und Fahrt in den
Süden, d.h. Sonne von vorne = Beschattung durch die Segel. Das ändert
sich, wenn wir gen Westen fahren. Wir können halt z.Zt. mal nicht mit
Thermomix kochen, sondern wieder herkömmlich mit Gas. Haupt Stromfresser
ist der Autopilot, der tag und nacht bisher läuft, weil es so bequem
ist. Da können wir durch stundenweises Von-Hand-Steuern noch Energie
sparen.
Die Wachen haben wir permanent im 3-Std. Takt, auch tagsüber eingeteilt.
So hat jeder immer 6 Std. frei und abwechselnd mal die Wache von 19 - 22
Uhr, Uhr und anschließend wieder von 7 - 10 Uhr , und jeder hat auch mal
die Hundewache von 1 Uhr bis 4 Uhr. Wenig Schlaf nachts, dafür öfter
tags... Wir haben uns daran gewöhnt, morgens verkatert aus der Koje zu
krabbeln und dann aber relativ bald wieder "brauchbar" zu sein. Bei der
Verproviantierung mussten wir lernen, dass Obst und Gemüse viel
schneller schlecht wird, als in nördlicheren Gefilden. Es mag daran
liegen, dass wir aus Zeitgründen nicht vom Bauern auf dem Land, sondern
im Supermarkt gekauft haben. Jedenfalls sind Möhren jetzt schon
schimmelig. Keine Sorge, wir haben genug zu essen, Äpfel halten sich
gut, Datteln, Nüsse, Müsli, Frischkorn, Milch(-pulver) , also wir können
2 Monate überleben. Es ist befremdlich zu lesen, dass andere Crews mit 3
Personen für die ARC für knapp 2000,- Euro eingekauft haben. Allerdings
in den ersten Tagen auch erheblich Lebensmittel schon über Bord werfen
mussten. Und die haben viel Alkohol gekauft. Wir haben nur eine Flasche
Rum aus "medizinischen Gründen" und um die Fische damit hinter die
Kiemen zu betäuben. So haben wir heute einen Höhepunkt erlebt, und einen
blauen Merlin gefangen, der uns die nächsten Tage ernähren wird. Es war
ein unglaublich schönes Exemplar mit schillernden Regenbogenfarben, die
jedoch kurz nach dem Tod schnell verblichen sind. Nur die große blaue
Rückenflosse behielt ihre Farbe. Vor diesem Petri Heil haben wir erst
einmal mehrere Köder verloren. Ein kräftiger Tunfisch wurde gestern
schon am Haken von einem anderen Fisch geschnappt, der Ruck in der Angel
war eindeutig, und das abgebissene Stahlseil-Vorfach auch. Schon
erstaunlich, was Raubfische für Zähne haben müssen. Wir baden jedenfalls
lieber nicht, auch wegen der spanischen Galeeren, Lampenschirm-große
Quallen, die besonders nachts wie eine Laterne unter Wasser leuchten.

Was so in Jedem von uns vorgeht angesichts solcher besonderer
Erlebnisse, aber auch angesichts des tagelangen Horizontes, ist schwer
in Worte zu fassen. Jeder erlebt es anders, aber alle intensiv. Langsam
kommt nun auch die Ruhe, um ausgiebig Bücher zu lesen oder Tagebuch zu
schreiben.
Wir haben bisher nur mit einem Segler nachts Funkkontakt gehabt, weil
unsere Kurse sich gefährlich näherten. Wir hatten den Parasailor schon
so weit wie möglich steuerbord stehen, ca. auf 130 Grad, aber der andere
Kat, ebenfalls auf Steuerbord, macht keine Anstalten etwas vom Kurs
abzufallen, mit seiner normalen Besegelung und meiner Bitte per Funk,
seinen Kurs wenigstens ziu halten, statt zu uns anzuluven. Unser
Parasailor fiel kurzzeitig in sich zusammen, wir konnten ihn aber wieder
aufstellen in vielleicht 50 m Entfernung zu dem anderen Kat. Wir hätten
ihn locker und gern im Luv überholt in gehörigem Abstand, aber der
franz. Skipper verlor die Nerven, gab 3 x Hornsignal, und kreuzte dann
mit Vollgas beider Motoren kurz vor unserer Nase unseren Kurs. Schon
paradox, wo man sonst tagelang kein schiff auf dem endlosen Atlantik sieht.

Etwas enttäuscht bin ich vom schlechten KW-Empfang hier draußen. Es ist
zwar auch gerade der Sektor, den Pinneberg und Northwood nicht mehr zu
ihrem Sendebereich zählen, und Boston etc. auf nordamerikanischer Seite
noch nicht zu empfangen ist, aber vielleicht muss ich auch noch mehr mit
passiven Antennen experimentieren. (Nachtrag: Ab dem 14. Tag wurde der
Empfang von Boston und New Orleans besser, aber der Komfort der
Gribfiles ist unschlagbar)
Heute startete die ARC. Wir haben jetzt 500 SM "Vorsprung" und es ist
ein geteiltes Gefühl, dass der ganze Pulk uns auf den Versen ist,
zugleich aber auch mehr Schiffe auf dieser Route mit uns fahren. Seit
tagen hören wir auf UKW fast keinen Funkverkehr mehr. Zu abseits von den
vielbefahrenen Standard-Routen der Frachtschiffe. Da werden die
paarhundert Yachties nicht "stören", wir aber die Routine-Rundumsicht
wieder auf 15 Min verkürzen.
Gestern habe ich die ganzen warmen Klamotten inclusive Segeljacke tief
in die Schapps verstaut. Wir werden sie sobald nicht wieder brauchen. Es
ist immer über 20 Grad, tagsüber 26, Wasser knapp 25 Grad warm. Sehr
angenehm. Könnte so bleiben, aber es wird sicher noch wärmer....


Seit dem Tag des Bergfestes nach 1460 SM höre ich auf, permanent zu
denken, werde eins mit der Formlosigkeit um mich herum, mit der
wogenden, schwankenden Masse der Wellen, die sich wie masthohe Berge
vor mir auftürmen, aufs Schiff zurollen, mir Anfangs noch Angst machten,
sich aber plötzlich in NICHTS auflösten, wie die Gewitterwollken, die
wie ein fortwährendes Aufquellen, Abregnen, Auflösen mich aus meinen
Gedanken holen. Mitten zwischen zwei Kontinenten im Niemandsland,
tagelang keine Schiffe und keine Kondensstreifen von Flugzeugen zu
sehen, hier verliere ich meine Angst um mein Dasein. Es geht nicht mehr
um Geld, um Materie, ich bin völlig frei und sorglos. Stürme wettern wir
ab, wenn es geht, ansonsten fahren wir hindurch. Zeit verliert ganz ihre
Bedeutung. Heute sind wir in die 3. Zeitzone gesegelt, es ist relativ
früh dunkler - willkürlich. Ich wollte so viel lesen und tun während
dieser langen Reise, stattdessen bin ich leer und erfüllt zugleich, ohne
etwas "sinnvolles" zu tun. Mein Rücken schmerzt noch, aber der Schmerz
ist einfach Teil des Alltags geworden, ich nehme ihn an, statt Groll zu
empfinden, warum gerade ich usw. Wenn Du dich auf eine solche lange,
abenteuerliche Reise begibst, endgültig alles hinter dir lässt, ohne
Option der Umkehr bzw. ohne die Reise jederzeit beenden zu können, hast
du ein Gefühl wie in einer Krise, einen schweren Verlust erlitten zu
haben. Und zugleich ist alles gut. Dir wird erst langsam bewusst, worauf
du alles verzichtet hast, aber du lebst, bist mit Deinem Leben "davon
gekommen". Anfangs wehrst Du dich dagegen, und dann fügst du dich. Es
ist laut auf dem Schiff, die Wellen knallen brutal gegen den Rumpf, fast
nie findest Du direkt Schlaf. Ich nehme es an ohne zu fragen, ob ich das
will. Ich kann heute am 2.12. nur in Gedanken bei meinem Sohn auf
seiner Geburtstagsfeier sein. Ich bin stolz auf ihn, aber auch das ist
nicht mehr wichtig, sondern unser Friede, alle miteinander im Einklang
ist wichtig. Ich fühle mich nicht mehr als Vater verantwortlich, sondern
ich bin einfach präsent, jeden Augenblick, da wo ich gerade bin. Ich
frage nicht mehr, wer ich bin, ob Vater, Musiker, Skipper. Ehemann. Ich
bin sozusagen verwirrt, weiß nicht, wer ich bin, definiere mich nicht
mehr über (m)einen Beruf, ein schickes Auto etc, Muss ich wissen, wer
ich bin? Was meint man eigentlich damit, wenn man sich in Gesellschaft
fragt: Und was machst Du? Man meint den Beruf, steckt damit sofort das
soziale Umfeld ab, oder die Funktion, die Wichtigkeit, das Können. Aus
all dem beziehe ich mein Selbstwertgefühl nicht mehr. Auch nicht daraus,
ein guter, harter, unfehlbarer Skipper zu sein, der (s)eine Crew im
Griff hat. Nein, ich segle nur, bin auf dem Meer, habe ein Ziel, aber
das ist noch so weit weg, dass ich es nicht mal denken kann, was es
heisst, nach zwei Wochen noch mal 14 Tage etwa dieses Schiff zu segeln.
Heute ist der 12. Tag. Wieder eine große Goldmakrele gefangen. Es ist
wie im Paradies: wenn wir Hunger haben, halten wir die Angel raus. Der
Kühlschrank ist nicht mehr notwendig. Ich habe aufgehört, mich zu
fragen, ob ich mein Glück hier und jetzt gefunden habe, oder noch danach
suche. Glück Suchen ist das Gegenteil von Glücklich Sein. Ich kann gar
nicht anders sein als ich jetzt bin hier mitten auf dem Atlantik. Ich
muss niemand glücklich machen an Bord. Alle sind motiviert und positiv.
Da wir im Reinen mit uns sind, lachen wir, nehmen fast alles mit Humor -
auch Flauten. Dann IST halt mal Ruhe, Stillstand. Bei Sturm ist
Fortkommen, Weiterkommen. Ich frage nicht mehr, ob oder was jeweils gut
ist. Es ist sowieso so wie es gerade ist. Nicht ich lebe mein Leben,
sondern das Leben lebt mich.
14. Tag: Ich HABE nicht nur dieses eine Leben, sondern ich BIN es. Es
ist nicht zweierlei, das äussere und das Innere Leben. Keine Rolle mehr
spielen müssen, kein Sich-Behaupten-Müssen. Da ich das Leben gar nicht
HABE, kann ich es auch nicht verlieren. Das ist schwer in Worte zu
fassen, weil es ein inneres Bewusstsein ist, dass durch Worte und Euer
Darüber-Nachdenken, vielleicht sogar "beurteilen" , schon wieder aus der
Einheit gerissen wird, getrennt wird von mir.
Die ARC ist uns mit knapp 300 SM "auf den Fersen". Beruhigend, weil im
Notfall Schiffe in Tagesabstand wären, und seltsam, weil wir jetzt mehr
aufpassen müssen, dieses riesige Meer uns nicht mehr allein gehört. Das
Wasser wird immer wärmer, aktuell 28 Grad, die Luft kühlt nachts noch
erfreulich ab, deutlich unter die Wassertemperatur. Das sorgt
regelmässig für Squalls. Heute Nacht waren es mehrere mit teilweise
recht turbulenten, ganz lokalen Windzunahmen und sehr viel Regen für
kurze Zeit. Weil wir keinen Streß auf Segel reffen oder bergen während
der Nacht wollen, segeln wir mittlerweile nachts nur noch mit Fock
(meist trotzdem 4,5-5,5 Kn) und tags holen wir den Parasailor heraus.
Komfort und einigermaßen Schlaf hat Priorität, nicht das Gewinnen eines
Platzes in einer Rally. Wir LEBEN an Bord, statt zu racen und das sehr
bewusst.
Ich schreibe hier, wie ich persönlich die Reise erlebe. Nicht weil ich
mich in den Mittelpunkt stellen möchte, sondern weil Monika und Enrico
ihre eigenen Erlebnisse haben und wenn überhaupt selbst mitteilen wollen
oder auch nicht. Das Erlebte ist auch nicht deckungsgleich. Mal hat der
eine, dann der andere seine Hochstimmung oder Tiefs, oft auch abhängig
vom Schlaf und ob die anstrengende Hundewache von 1-4 Uhr auf dem Plan
stand. Fest steht, das es uns allen ausgesprochen gut geht, einstimmig
haben ich den Auftrag in den Blog zu schreiben, dass es gar nicht besser
gehen könnte. Na, wenn das nichts ist......

Ich brauche die MBs zum Wetter-Laden, kann deshalb nicht öfter
ausführliche emails in den Blog schreiben. Aber dank Eurer Unterstützung
und regelmässigen Wetter-Infos habe ich ein paar Bits gespart und kann
sie hierfür "verbrauchen".
Danke Euch allen noch mal, dass ihr gedanklich mit hier an Bord seid und
euch immer wieder die Mühe macht, über das Satphone zu schreiben.
Manchmal ist eine Nachricht die einzige Abwechslung am Tag - neben dem
Alltäglichen wie Kochen, Waschen, Segel setzen - bergen, Koordinaten
aufschreiben, Logbuch führen usw.

Montag, 3. Dezember 2012

Check-in/OK message from Nachricht vonCrew LIZA Position SPOT SPOT Nachrichtenübermittler/Kurier.

Crew LIZA Position
Latitude:Breitengrad17.25906
Longitude:Längengrad-39.80383
GPS location Date/Time:GPS-Aufenthaltsort Datum/Uhrzeit12/03/2012 03:55:01 PST

Message:Message/ NachrichtIst Kurs ok oder noerdl oder suedl mehr Wind?

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http://fms.ws/AYlmT/17.25906N/39.80383W

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Crew LIZA Position

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Sonntag, 2. Dezember 2012

Via Inmarsat:

Wir feiern den 24.Geb unseres Sohnes auf halber Strecke nach 1460SM ab
Teneriffa,noch 1380SM,3.Zeitzone heute u 8gr Fisch

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Sent via Inmarsat. The mobile satellite company

Samstag, 1. Dezember 2012

Via Inmarsat:

Ludger&Chr wuenschen wir 15 kn von hinten zuden Kapverden.Danke euch fuers
mitdenken,ebenso v.A.meinen Eltern, Th&Chr,Elena, Hartmut, JO&Ang,Jan
B,Erwin,RalfUVM

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Sent via Inmarsat. The mobile satellite company

Check-in/OK message from Nachricht vonCrew LIZA Position SPOT SPOT Nachrichtenübermittler/Kurier.

Crew LIZA Position
Latitude:Breitengrad17.87995
Longitude:Längengrad-35.56778
GPS location Date/Time:GPS-Aufenthaltsort Datum/Uhrzeit12/01/2012 07:44:06 PST

Message:Message/ NachrichtNoch1490SM 261Grad ->St.Lucia=Bergfest morgen

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http://fms.ws/AXsjb/17.87995N/35.56778W

Wenn der obige Link nicht funktioniert, versuchen Sie diesen Link:
http://maps.google.com/maps?f=q&hl=en&geocode=&q=17.87995,-35.56778&ll=17.87995,-35.56778&ie=UTF8&z=12&om=1

Crew LIZA Position

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Freitag, 30. November 2012

Via Inmarsat:

Alles bestens an bord. Tracker (Pos) hat offb Problem oder? ich sende
3X/tag 30.Nov 18G19.429N 33G37.200W um 14Utc ROBERT

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Sent via Inmarsat. The mobile satellite company

Samstag, 24. November 2012

alles läuft prima - Kurs St. Lucia oder Barbados

Es geht uns so gut an Bord, dass wir planen, bis etwa 20 Grad N / 30
Grad W (oder 250 SM nordwestlich von den Kapverden herunterzusegeln
und dann nach Westen abzubiegen. Ob das ein guter Plan ist, könnt Ihr
uns ggf. auf das Satphone schreiben, wenn Ihr eine Windvorhersage von
8 Tagen über den Atlantik bis Karibik bekommen könnt. Ich lade hier
per Inmarsat nur kleine Ausschnitte, die aber auch gut aussehen. Nur
heute nacht haben wir Wind von West, segeln also gerade hoch am
Wind...
Ferner schreibt uns bitte, wenn es eine Funkrunde der ARC für
Kurzwellenempfang gibt oder leitet uns wichtige Infos von der
ARC-website weiter, nur aus Interesse auch, wo sich das Hauptfeld der
ARC befindet (wann wir aufpassen müssen, wenn die uns alle überholen,
weil wir bisher NICHT motort haben)
Ansonsten macht euch keine Sorgen, wir tun es auch nicht, es geht uns
wirklich allen prima!! Freuen uns über Abwechslung per SMS auf dem
Satphone.
Eure LIZA -- Crew
--

Wir sind nur per SMS auf Satphone erreichbar, kostenlos auf dieser
Seite http://www.inmarsat.com/Services/Land/IsatPhone/SMS/sms.html. Dort
bitte die vorgegebene 87077 ergaenzen mit 6428829, im Feld darunter Ihre
160 Zeichen Nachricht.
Ferner kann ich eine 160 Zeichen Email ohne Betreff und Umlaute empfangen
an 870776428829@message.inmarsat.com (Bitte CC als Kopie an meine
bekannte email)

Freitag, 23. November 2012

Check-in/OK message from Nachricht vonCrew LIZA Position SPOT SPOT Nachrichtenübermittler/Kurier.

Crew LIZA Position
Latitude:Breitengrad24.71914
Longitude:Längengrad-19.48993
GPS location Date/Time:GPS-Aufenthaltsort Datum/Uhrzeit11/23/2012 00:52:03 PST

Message:Message/ Nachricht3. Tag, ganze Nacht Parasailor gefahren 260SM

Klicken Sie auf den untenstehenden Link um zu sehen, wo ich gerade bin.
http://fms.ws/AT9kC/24.71914N/19.48993W

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http://maps.google.com/maps?f=q&hl=en&geocode=&q=24.71914,-19.48993&ll=24.71914,-19.48993&ie=UTF8&z=12&om=1

Crew LIZA Position

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Mittwoch, 21. November 2012

Die drei von der Liza

Die Uhrzeiten hier im Blog - Positionszeit


Ich wurde oefter darauf angesprochen, dass die Zeiten hier im Blog nicht mit unserer Positionszeit uebereinstimmen. Das ist leider richtig, liegt daran, dass der Tracker ueber die Kanadische Zeit laeuft, wir auf den Kanaren zudem eine Stunde Unterschied hatten, also wer es genau wissen will, die Position (suedl Teneriffa) ist um 11:00 UTC abgesendet worden und dieser Blog-Eintrag um 10.45 UTC bzw.um 11 Uhr aktualisiert worden, das wäre nach dtsch. Zeit 12 Uhr . Es dauert zudem manchmal einige Minuten, bis die Position wirklich auf der Karte erscheint. Also nicht zu genau nehmen ;-). Ich warte gerade sogar seit 45 Min darauf, die Position in der Karte zu sehen. Hoffentlich funktioniert es. Schickt mir mal eine kurze Info aufs Satphone, wenn die letzte Position auf dem Meer und nicht mehr in der Marina sichbar ist. Hoffentlich gibt es nicht gerade jetzt techn. Probleme, aber dann kann ich immer noch vom Satphone aus eine Nachricht in den Blog schreiben, nur nicht mehr so schön mit Stecknadel. Die letzte Position habe ich dtsch. Zeit um 13 Uhr gesendet, falls die davor nicht angekommen sind. Antworten ab jetzt bis auf Weiteres nur noch auf`s Satphone...

Genieße den Tag!

Noch im letzten Augenblick der Abreise Photos von Christel auf unserer Wanderung ins Masca Tal. Findet ihr Monika in den Steinen?

Dienstag, 20. November 2012

Kurs Kapverden

Morgen legen wir ab mit Kurs Kapverden. Zwei Tage haben wir mit Ludger und Christel verbringen können, einen fantastischen Ausflug ins Masca-Tal zusammen unternommen. Wir freuen uns über die Stunden, die wir miteinandert hatten, auch wenn es natürlich noch viel mehr Zeit hätte sein können. Es fällt mit nicht ganz leicht, mich von unserem ursprünglichen Plan zu verabschieden, gemeinsam über den Atlantik zu segeln, aber es ist alles gut so wie es jetzt ist. Wir haben unsere Ziele, sind jede Crew für sich stark genug und gut vorbereitet, wir für Karibik, die beiden für Brasilien. Wir möchten auf Enrico nicht verzichtenm, und er hat nicht mehr viel Zeit, noch auf den Kapverden "abzuhängen". Wenn also der Wind gut ist, und unsere Kondition auch, wenn wir wenig DIesel verbraucht haben bis zu den Kapverden, halten wir uns vielleicht gar nicht mehr dort auf. Das schreibe ich dann aktuell über Satphone in den Blog, wenn wir auf der Höhe der Kapverden angekommen sind, dort den Passat treffen, der uns nach Westen in die Karibik bläst. Wir haben genügend Proviant, Ausklarierung für Kapverden und Karibik heute in Santa Cruz erledigt, bereits 10 Tage auf den Kanaren verbracht. Also - stechen wir wieder in See, freuen uns alle drei auf voraussichtlich entspanntes Segeln.



Ludger & Christel links/mitte



Sonntag, 18. November 2012

Teneriffa - Ausflüge

Soo viel haben wir auf Teneriffa schon wieder erlebt. Höhepunkt war mit Christine (Sie hat uns doch noch besucht) ein gemeinsamer Tag auf dem TEIDE, dem höchsten Berg Spaniens (über 3400 m). Wir können ihn jeden Tag mal von der Marina San Miguel aus durch die Wolken schauen sehen, aber als Christine mit Leihwagen bei uns ankam, war der Berg so klar, dass wir kurzerhand beschlossen haben, noch aufzubrechen. Man kann die gigantischen Stein- und Lavamassen gar nicht beschreiben, auch nicht die Kälte und majestätische Stille, die zusammen mit der untergehenden Abendsonne eine wunderbare mystische Stimmung erzeugte.

Ansonsten haben wir auch die nähere Umgebung der Marina erwandert und somit lieben gelernt. Anfangs waren die unzählbaren Golfplätze erschlagend. So viel habe ich noch nie gesehen, kilometerlange Anlagen. Und Golf hat hier Vorrang. Alle müssen warten bis der Abschlag erfolgt ist, dann darf man weitergehen oder fahren. Verrückt. Ebenso die Retorten-Städte, manche sogar auf historisch getrimmt, mit Leuchtturm und Kirche - alles für die (Schein-)Atmosphäre. Wir haben uns wie immer auf die Landschaft gestürzt und die ist ebenso wie die Temperaturen von Luft und Wasser einfach genial. Die Bilder können vielleicht ein wenig die Mischung aus schwarzer Lava, grünen Sukkulenten und blauem Himmel/Meer wiedergeben. Ich kann mich an diesen drei Farben berauschen, mit derm Weiß der brechenden Wellen auf den schwarzen Lavasteinen noch dazu.

Es war sehr schön, dass wir das mit Christine noch teilen konnten, die keine Mühe gescheut hat, uns als Einzige persönlich über den Atlantik zu verabschieden. Natürlich wurde das Herz schwer, wie lange und bewusstt wir wieder auf Freundschaft verzichten müssen, aber wir werden uns in Kanada wiedersehen. Ich wünsche den beiden T&Chr. so sehr, dass sie dort gemeinsames Glück finden.

Wir werden die nächsten Tage mit Proviantierung und Ausklarieren verbringen, müssen dafür noch mal in die Hauptstadt Santa Cruz mit dem Leihwagen, weil ohne Ausreisepapiere die Einreise z.B. auf dem nächsten Eiland, den Kapverden unmöglich ist, zumal nicht mehr EU zugehörig.

Kurz bevor wir den Leihwagen für morgen schon buchen wollten, erreichte mich Ludgers Anruf, dass Greenduck auf dem Weg zu uns ist und die beiden über Nacht in die Marina kommen. Ich habe alles in Bewegung gesetzt, wenigstens für eine Nacht in dem übervollen Hafen ein Plätzchen zu bekommen, weil es draußen doch ganz schön windig ist. Ich freu mich riesig über das Wiedersehen mit den beiden, zumal wir nun doch nicht zusammen den Atlantik überqueren, denn wir haben andere Zeitplanungen und Ziele. Für die beiden ist es sinnvoller, von den Kapverden direkt nach Brasilien abzubiegen, statt mitten auf dem Atlantik zu trennen. Wir möchten auch wegen Enrico noch dieses Jahr in der Karibik ankommen, und wir haben immer wieder gehört, dass es praktisch nicht möglich ist, in UKW-Rufweite miteinander zu segeln. Man muss zuviel Rücksicht aufeinander nehmen und immer einer versuchen, hinter dem anderen herzusegeln. Also feiern wir mit Ludger und Christel auch Abschied, fachsimpeln und hoffen, dass sie uns um die Welt gesegelt auf dem Rückweg fest versprochen auch in Kanada besuchen. Planung, Treffen etc. ist sehr schwierig vereinbar mit dem Vom-Wind-Getrieben-Sein. Wir lernen es ganz langsam, auch eher in Wochen statt in Tagen zu rechnen und zu planen.
Traumhafte Aussicht beim Golfen

Achtung vor dem Hunde, oder wie heisst das?  Tieffliegende Golfbälle. Man muss warten, bis sie abgeschlagen haben.

Die Umgebung der Marina. rechts beginnt der Hafen

Hinter der Marina, in den Wolken der TEIDE

Tolle Wanderwege


Der Teide wirkt von der Marina aus mit Tele noch gar nicht sooo spektakulär...

aber je näher man hinkommt umso gigantischer die Lava-Abgänge und ausgespucten Felsen

Der Krater-Rand


Tine, Enrico, Monika.  Die Seilbahn für die letzten 1000 Höhenmeter war gerade weg um 16 Uhr, und wir hatten so 100 € gespart...


sind zu Fuß in die unheimlichen Lavafelder gelaufen, bis die Abendsonne unterging und die Kälte gegen O Grad ging..
eigenartige Blütenstände im Vordergrund. Die Straße zeigt wie endlos die Lavafelder sind

vorne rechts ein Auto nur wegen der Dimensionen


Mittwoch, 14. November 2012

Teneriffa San Miguel

Wir haben zwar noch keinen endgültigen Liegeplatz trotz Reservierung und Vorabzahlung, aber wir sind erstmal hier, fast ausschließlich gesegelt und es ist noch wärmer (26 Grad, Wasser 23) als auf Lanzarote. Nun holen wir erst mal wieder Schlaf nach, mussten die Nachtfahrt ohne Hartmut mit längeren Wachen einteilen.

Sailing away

Die automatische Fehlerkorrektur macht aus Sailing "Säugling" Und ich hatte gerade noch gedacht, dass man in der Koje, hier unten im Bauch von Liza, so herum geschaukelt wird wie vor der Geburt, und vielleicht deshalb immer so schläfrig wird auf Hochsee. Es ist kein unangenehmes Gefühl, aber ich habe auch nicht wirklich Lust, anspruchsvolle Dinge zu tun. GO WITH THE FLOW. Ich bin einfach ein Glückspilz :-) , meinen Liebsten geht's gut in der Welt verstreut und doch verbunden. Ob ich weglaufe vor mir selbst und meinen Pflichten werde ich gelegentlich gefragt. Nein, ich bin auf dem HINweg, nicht weg.

Schade dass Christine gerade abgesagt hat. Es ist sehr viel Aufwand für zwei Tage von Gran Canaria rüberzukommen.