Samstag, 10. August 2013

Zu Siebt an Bord

Canso, Arichat, St. Peters - Mehrtagestörn Premiere

Es ist Sonntag Morgen, das Haus leer, Matthias mit Vanessa und ihren Eltern sind zwei oder drei Tage auf den Cabot Trail gefahren. Monika und Mareike schlafen auf dem Schiff. Ich genieße die Ruhe, denn letzte Nacht hab ich kaum geschlafen, war um 4 Uhr raus aufs Schiff mit dem Dingi bei Sturm und Regen. Es hatte nach 4 wunderschönen Segel-Tagen von Freitag auf Samstag kübelweise geregnet mit 35 Knoten Wind. LIZA liegt zwar wie eine Spinne im Netz an 4 Leinen (zwei Anker, eine Landleine und eine Heckleine zum Betonklotz), aber nicht hinter einer Insel sondern vor unserem Haus. Wenn es dann so kachelt und alle schön sicher im Haus schlafen merkt man, wie einsam man als Skipper so ist und seine Entscheidungen treffen muss. Anker auf, weg von der Küste? Ich ließ mal beide Maschinen vorsichtshalber eine Stunde laufen, um schnell reagieren zu können und habe um fünf Uhr morgens meinen Sohn geweckt, weil ich allein aus dem Spinnennetz von Leinen nicht so leicht frei komme. Die Entscheidung, zusammen in Bereitschaft abzuwarten, war gut. Bei Anbruch der Morgendämmerung war der Spuk vorbei und das Meer lieblich, der Himmel blau, als wenn er keiner Seele was antun könnte. Ich war froh, dass ich entschieden hatte, vor diesem Tiefdruckgebiet wieder zu Hause zu sein. Vanessas Eltern waren noch nie auf einer Segelyacht vorher unterwegs und haben die schönen Tage mit Baden und Angeln und von LIZA aus sehr genossen. Wir hatten nicht das Gefühl, uns mit 7 Personen auf die Füsse zu treten, weil wir die Tage mit mehreren schönen Wanderungen (in Canso den Chapell Gully Trail ausprobiert) kombiniert haben, Muscheln gesammelt und gekocht, Ausflüge in die Städchen Arichat und Canso etc.  Es macht Freude, Menschen für das Naturerleben vom Meer aus zu begeistern. Monika hat das Drum und Dran auf dem Schiff automatisch im Griff, so dass ich fast nichts mehr ansagen brauche. Wir merken, wie eingespielt wir sind, auch wenn es nicht mehr die Zweisamkeit an Bord ist, sondern jeder etwas hier und da wuselt.

Canso / Squid Cove,  Grassy Island National Historic Site


auch mir macht es noch Spaß, wie früher Drachen fliegen zu lassen

.... bis es meinen Sohn erwischt


Hobie 16 Sailing River Inhabitants Bay

....mmm  Snow Crabs last day before closing the fishing season








St. Peters Marina

alle Fotos copyright creative-shooting.de 

Sonntag, 4. August 2013

Einfach genießen was da ist

Ein paar wunderbare Tage haben wir bei idealem Kanada-Wetter mit vollem Haus gehabt. Abwechslungsreiche Himmel, schöne Wolkenbilder, ideale Temperaturen zum Wandern, aber auch Baden am Point Michaud, Drachen steigen lassen, leckere Snow Crabs essen, und vor allem Segeln mit Matthias und Mareike. Gleich am ersten Tag musste der Hobie 16 Kat nach vielen Jahren wieder aus dem Keller geholt werden und es funktionierte noch alles. Es ist ein tolles Erlebnis, jetzt mit so großen Kindern wie mit Freunden zu segeln, den Rausch von Geschwindigkeit zu teilen, auf einer Kufe vom Kat nass spritzen lassen.
Drachensteigen lassen mit Mareike am Piont Michaud

Frühstück mit Vanessa und ihren Eltern, von Matthias fotografiert

Bras d`Or Lake vom Mabou aus gesehen, ein wunderbarer Binnensee doppelt so groß wie der Bodensee

in den Mabou Highlands

Mondaufgang an unserem Privatstrand

Hobie 16 Katamaran segeln = back to the roots

kostenlose Granville Green Konzerte lokaler Bands im Hafen von Port Hawkesbury. Jeder bringt seinen Sitz mit und hat Spaß

vielleicht sollte ich nicht sagen, dass diese Pracht eine Qualle am Strand ist

Mittwoch, 31. Juli 2013

wer bin ich wo und wenn ja warum

Es hat die letzten Tage viel geregnet und ich bin immer noch beschäftigt damit, mich wieder zu finden on the hard, auf dem Land. Alles ist weiter, größer, schneller, lauter, aber nicht mehr, eher weniger. Das Wasser aus den Plastikflaschen schmeckt nicht, wir holen es uns immer noch vom Wassermacher an Bord.
Das Leben auf dem Atlantik war etwas Anderes, eine Ausnahme. Wir haben alles zusammen gemacht, hatten unsere kleine, überschaubare Welt in den gechützen Kojen. Drei Wochen um nichts kuemmern, außer ums Schiff, essen, was an Bord ist oder gefangen wurde. Das ist nicht das wahre Leben. Wir hatten uns wenig Gedanken gemacht um die Zukunft, uns vor Auseinandersetzung verschont. Erst jetzt wird vieles verdaut, weil wir nicht mehr von einem Adrenalinkick zum nächsten segeln, sondern reflektieren. Die Insel Cape Breton lädt dazu ein. Aber sie macht es dir nicht leicht wie die Karibik. Es ist ein ganz anderer, tiefer Zauber. Du kannst den Grund nicht sehen, obwohl das Wasser so sauber ist. Ich muss lernen, dem Anker zu trauen, auch wenn ich ihn nicht sehe. Vertrauen, an eine Zukunft glauben, auch ohne neue Adrenalinkicks. Unsere Koelner Freunde fangen morgen wieder auf ihrer Arbeitsstelle an, andere suchen ihren Kick in noch spektakuläreren Regionen auf der Jagd nach Multimedia geeignetem Material. Ich kann nun keine Eisberge oder Südpazifikbilder zeigen, bin hier dennoch genau richtig, auch wenn ich Gegenwart und Zukunft noch nicht ganz ausbalanciert bekomme.

Heute Nacht kommt mein Sohn mit Freundin und deren Eltern für drei Wochen ins Haus, und unsere Jüngste ist auch eine Weile noch bei uns. Sind wir noch kompatibel für so viele Menschen, die hier "nur" Urlaub machen, während wir als Permanent Residents mehr Zeit haben, in der Natur zu SEIN, statt viel in kurzer Zeit sehen zu wollen? Ich freue mich auf viel Familie. Es erdet, zeigt uns wieder, wie das Leben normalerweise ist und für uns in diesem kommenden Winterrrrrr in Deutschland wieder sein. Das Denken daran tut mir (noch) nicht gut. Aber mit den zu erwartenden Aufgaben wird es sicher besser. Nur wie wird es sich anfühlen ohne Schiff, wenn wir jetzt schon immer spätestens nach einer Woche Land wieder Meer brauchen? Gewöhnung, Entwöhnung - will ich das? Es gibt viel zu tun um LIZA in Kanada zu registrieren. Bürokratie ist überall. Ich soll hier wieder Scheine machen, um nachzuweisen, dass ich segeln kann. Wen interessiert da, ob wir um die halbe Welt gesegelt sind... Das Meer und der Wind haben mich gelehrt, demütig zu sein. Wenn ich nicht als Einsiedler in den kanadischen Wäldern mit der Axt in der Hand überleben will, muss ich den Staffellauf mitmachen. Und die Herausforderung annehmen, mich aufzuteilen in deutsch-kanadisches Landleben und kanadisch-karibisches Meerleben. Für und mit Familie und ein paar Freunden schaff ich das globale Leben. Ich bin nicht allein mit diesem Spagat.
 

Dienstag, 23. Juli 2013

Bras d`Or Erkundung

Das Wochenende hatten wir wieder einen schönen Segel-Törn. Wir sind mit Mareike und Mike nach Baddack gesegelt, um mal den ganzen Bras d`Or Lake von Süd nach Nord zu durchkreuzen, die große Brücke (Barra Strait Bridge) etwa auf der Hälfte zu durchfahren, aber vor allem das Event auf dem See, die Race the Cape Regatta Etappe mitzuerleben. Es waren knapp 50 Schiffe und von absoluter Flaute bis 30 Knoten alles an einem Tag an Wetter zu bezwingen. 
Auf dem Weg haben wir bei Bob und Kathryn Grove in einer winzigen Bucht vor ihrem Haus bzw. neben ihrem Schiff "Easy Go" übernachtet. Es war ein schöner gemeinsamer Grill-Abend, zu dem dann noch Jim und Beatrix dazu kamen, ebenfalls Segler mit Schiff in Dundee. Wir hatten bisher nur ein paar mal Emails hin und her geschickt. Bob hatte mir ein paar Tipps gegeben, weil er seit 20 Jahren zwischen Karibik und Nova Scotia hin und her segelt, bis letztes Jahr übrigens noch ohne Strom und Motor an Bord ihres selbst gebauten Schiffes. Es war so spannend, was die beiden erzählten. Auch Mareikes Freund Mike aus Beverly Hills, einer völlig anderen Welt, war fasziniert von dem ungewöhnlichen Leben der beiden. Wir konnten gemeinsam von der Karibik schwärmen. Unser gemeinsamer Favorit ist nämlich Dominika, wohin die beiden viele Jahre  gesegelt sind und die Winter dort verbracht haben. Auf dem Rückweg sind wir noch in ein paar hübsche Buchten gefahren, Ankergründe ausprobiert. Die Kontraste zwischen Luxusvillen und Indianer-Reservaten sind schon sehr groß. Wir hatten bisher Nova Scotia mehr von Land aus erkundet. Vom Wasser aus zeigt sich, dass die Insel auch von einigen sehr wohlhabenden Scotians bewohnt wird. Die schönsten Villen stehen eben direkt am Ufer, von den Straßen aus nicht sichtbar. 
Wir ankern direkt neben dem Schiff von Bob und Kathryn Groves im River Bourgoise Inlet
River Bourgoise Ansteuerung mit der schönen großen Kirche

und einigen Untiefen davor

Photo: Mareike   Kormoran auf Betonnung
Annäherung an die Barra Strait Bridge, die Kirche von Iona
die Barra Strait Bridge ist schon eine Nummer größer, öffnet Bahn und Auto für den Schiffsverkehr

Mareike mit Mike

Race the Cape, DAS Regatta Event auf dem Bras d`Or, hier beim Einlaufen in Baddack

unser Ankerplatz bei Eskasoni

Gegenüber von Ben Eoin Marina
Mareike hat ihren Spaß bei ordentlich Welle vorne auf dem Bug


Ein interessantes Haus im lighthouse style
Ankerplatz bei Evans Island

Indianer-Reservat  Chapel Island....

....von den Mi’kmaq First Nations as Mniku genannt 
oder Leben im Original-Tipi Zelt scheint da fast romantischer. Bei Eskasoni (ein weiteres Reservat) häufig zu sehen
die Makrelen werden jetzt größer





Dienstag, 16. Juli 2013

Besuch

Heute ist Mike aus LA für ein paar Tage zu uns gekommen. Er hatte Mareike und zwei Freunden auf ihrer Nordamerika-Reise großzügig Unterkunft gegeben und ausführlich LA gezeigt, nicht zuletzt aus der Luft, denn er ist auch Pilot. Nun will Mareike sich revanchieren. Er hat als Willkommensgeschenk vier agile Lobster mitgebracht, die er an unserem Strand sozusagen wieder in die Wildnis entlassen wollte. Ich habe zum ersten Mal diese archaischen Tiere richtig lebendig in ihrer gewohnten Umgebung beobachten können und muss sagen, dass ich von nun an sicher Probleme habe, diese hübschen Ungetüme zukünftig zu essen. Sie sind so faszinierend.




hier unten am Bildrand kommt er wieder zurück
Ist der nicht hübsch?


Samstag, 13. Juli 2013

Mareike

Unsere "Jüngste" ist zu uns gekommen. Nach einem Jahr nicht gesehen ein unbeschreibliches Gefühl, sie wieder in den Arm zu nehmen, kayaken, angeln, segeln, und viel erzählen...