Freitag, 7. Juni 2013

Lunenburger Augenblicke zum 260sten Geburtstag heute am 7.6.

Die Geißel des Himmels

Gestern morgen wurden wir übrigens beinahe bermühmt...    Als wir die Augen öffneten, waren wir plötzlich mit LIZA mitten im ganz großen Kino. Um uns herum wurde das Filmset für Dreharbeiten von "Die Geißel des Himmels" bzw. dem Original Lathe of Heaven aufgebaut. Und dazu diente der alte Trawler am verschrobenen Steg als Kulisse. Unglaublich was da an Technik aufgefahren wurde, vom eignenen 1400 Ampere Generator-Truck bishin zu mehreren Film-Firmen, die auch schon Seewolf (ja auch auf Nova Scotia) und Mobie Dick gedreht haben. Die Ostküste etabliert sich immer mehr als Basisdrehtort in Nordamerika. Die Kulissen hier inspirieren einfach dazu, und natürlich auch die geringeren Produktionskosten. Anyway, nach kurzer Zeit waren wir mit den Seenomaden die eigentliche Attraktion des Sets und haben fast die Dreharbeiten durcheinander gebracht, weil sich die Kameramänner, Schauspieler etc. für unsere Geschichte interessierten, die nicht wie der Film auf Fantasy beruht, sondern Wahrheit ist. Einen Haufen business cards haben wir in die Hand gedrückt bekommen, es waren Bootsbauer, Schreiner, Segelbooteigner von Nachbarinseln dabei, die uns Liegeplätze anboten. Es ist fast ein Rausch, wie schnell man mit Menschen in Kontakt kommen kann, deren "Sehnsucht" nach Meer man getroffen hat und ihre Neugier geweckt.



Hauptdarsteller......

Hauptdarstellerin
Der Inhalt des Films:
Es ist ein geringfügiges Vergehen, wegen dem sich George Orr einer Therapie unterziehen muß: Medikamentenmißbrauch. Der Patient tut alles, um seine Träume zu unterdrücken, worauf sein behandelnder Arzt, der Psychiater Dr. Haber, eine gewöhnliche psychische Störung diagnostiziert. Doch George Orrs Träume können die Realität verändern. Ohne zu ahnen, worauf er sich einläßt, zwingt Dr. Haber seinen anbefohlenen Schützling, eine Reihe künstlich induzierter Träume zu erleben, bis sich Orr ganz und gar in diesen Träumen verliert und von der Welt, wie wir sie kennen, keine Spur mehr übrig ist. Die Geißel des Himmels ist ein wunderbar ironischer Abgesang auf die Psychoanalyse und ein Manifest für die Macht der Phantasie, die ebenso grenzenlos wie unbeherrschbar ist.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Livebild webcam

Wir sind umgezogen innerhalb des Lunenburger Hafens wegen einer Hurricane-Warnung. Wir liegen jetzt sehr sicher und direkt vor dem Fisheries Museum. Ihr könnt uns live hier sehen......

Wir sind sooo froh, das wir spontan auf den Bermudas aufgebrochen sind. Jetzt zieht der erste Hurricane der Saison seine Bahn, und er wird bis Nova Scotia (am Samstag Mittag) heraufkommen. Hier die offizielle hurricane warning (Nova Scotia in der Bildmitte bzw.am rechten Ende der Zugbahn):


Mittwoch, 5. Juni 2013

angekommen in Lunenburg, Nova Scotia, Canada


Hier auf novascotiawebcam.com von Ralf Pickart festgehalten.
Unser Traum ist wahr geworden. Fast auf den Tag genau ein Jahr später sind wir in den Hafen von Lunenburg eingelaufen, wo wir damals noch umgekehrt vom Land aufs Meer geschaut haben, auf den weiten, unergründlichen Nordatlantik, uns fragend, ob wir jemals hier ankommen.
Wir gratulierten von hier via webcam meiner lieben Mutter, gebürtige Lüneburgerin, zum Geburtstag, wohl wissend, dass es für sie ebenso schwer sein würde, uns fahren zu lassen, wie für unsere Kinder. Aber sie alle haben uns ziehen lassen, an uns geglaubt und uns unterstützt, wo immer sie konnten. Ich würde euch so gern in die Arme schließen auf unserer euch vertrauten LIZA. Und auch unsere Freunde, "alte" und neue, die unsere Route verfolgt haben, in aller Stille, oder mit aufmunternden emails, oder mit Wetterberichten, Gedichten, uns passiv oder gar aktiv auf Teilstrecken begleitet haben, nicht nur in glücklichen Augenblicken, sondern im richtigen Moment zur Hilfe kamen, wenn uns der ewig unberechenbare Wind vor allem im Mittelmeer in die Knie gezwungen hat: Dank all Eurer Unterstützung haben wir nicht aufgegeben, sondern miteinander jede Lektion des Hochsee-Segelns aufbekommen und bewältigt. Das Schicksal hat uns bis zuletzt nicht verschont. Wir sollten offenbar jede Situation, vor der wir (un-)ausgesprochen Angst hatten, erleben und durchstehen. Wir waren ein Jahr lang quasi nicht krank, Dennoch habe ich oft gedacht, was ist, wenn ich als Skipper ausfalle. Natürlich hat Monika alles an Schiffsführung gelernt, aber "einhand" segeln ohne Co? Wir haben unsere Grundsätze und Regeln miteinander aufgestellt und uns jederzeit voll aufeinander verlassen (können). Eine davon ist, vor einem längeren Törn nicht am Abend vorher noch mal Essen zu gehen, sondern auszuschlafen und Bewährtes selber kochen. Diesmal auf dem letzten und anspruchsvollsten Kapitel unserer Reise nach Canada kam alles anders. Wir trafen Weltumsegler, die unser geliebtes Nova Scortia abseits der ausgetretenen Pfade auch noch besegeln wollten und wir beflügelten uns gegenseitig. Ein geplanter gemeinsamer Abreisetermin platze, wie so oft, und da es den Kölner Freunden von der Bella auf dem Weg zu den Azoren ebenso erging, beschlossen wir zusammen Essen zu gehen, nicht ahnend, dass sich über Nacht ein Tief in ein Hoch wandeln sollte und wir uns am nächsten Morgen innerhalb einer Stunde umentschieden. In die Freude, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, schon auf dem langen Weg durch die unendlichen Riffe um Bermuda, mische sich ein Rumoren im Magen, das ich anfangs als Aufregung interpretierte, sich am 2. Seetag aber als heftiger Darmvirus herausstellte. Monika machte eine lange Nachtschicht allein, suchte einen Kurs, der mir möglichst nicht so harte Schläge der Nordatlantikwellen gegen die Schiffs- und Magenwand verpasste. Es ging mir schlagartig so elend wie lang nicht mehr und meine tapfere Kapitana übernahm alles. Wir haben beide gelitten, aber zugleich die Angst vor dem "worst case" verloren, sozusagen doppelt geheilt.
Die Freude, endlich wieder meinen wackeligen Beinen vertrauen zu können und das riesige Parasailsegel zusammen zu hissen für zwei Tage und eine Nacht, begleitet von unzähligen Delfinen, fast zu fliegen in unsere 2. Heimat, kann ich kaum beschreiben.


Das Wasser ist auf der anderen Seite des Golfstroms innerhalb einer Stunde von 25 auf 14, zuletzt 9 Grad abgekühlt und Farbe sowie würziger Geruch sind mir so vertraut aus den Jahren in unserem Haus am Meer. Dorthin segeln wir nun die letzten Tagesetappen, um zusammen davor unseren Anker fallen zu lassen und ganz bewusst die Annehmlichkeiten des Landlebens zu genießen. Wir haben nichts Bahnbrechendes gemacht, sondern getan, was wir tun mussten und wollten, um unsere Liza hier her zu bringen. Für uns war es etwas Großes, Unerreichbares, an dem wir zusammen gewachsen sind und zusammengewachsen sind. Es war nicht wichtig, was wir getan haben, sondern DAS wir es getan haben. Wenn es nur einem von euch Mut gemacht hat, aufzubrechen aus der vielleicht erstarrten sicheren Umgebung, etwas "Ungeheures" zu wagen, egal wie groß oder klein, dann hat sich die Schreiberei über die im Kielwasser gelassenen 7000 Seemeilen gelohnt. Wir sind unendlich dankbar, dass wir jetzt angekommen sind in Canada, aber vor allem in uns. Ohne Heimat (egal wo und welche), ohne Zuhause bist du auf der Flucht. Und ohne ein Zuhause zu haben kannst du nicht wieder aufbrechen von Zuhause. 

Nochmal rückblickend:

Nach einem bewegenden Abschied, eskortiert von Ulrike und Matthias an der Bella vorbei gings los. Wir alle hoffen intensiv, uns wieder zu sehen. Die beiden sind noch am selben Tag aufgebrochen. Über Kurzwelle hörten wir noch zwei drei Tage später, dass sie keinen Wind fanden, viel Motoren mussten. Das ist das Tückische an diesen stationären Bermuda- und Azorenhochs. Wenn man mittendrin ist, gibts fast keinen Wind, wie im Auge eines Hurricanes.


Wir hatten auf Hochsee nette Begleitung wie die Delfine, aber auch massenweise Portugiesische Galeeren, von denen nur eine Tentakel so hochgiftig ist, dass man u.U. nach Berührung ins Krankenhaus muß. Wenn sie so mit uns vor dem Wind segeln, sieht das richtig niedlich aus mit dem blauen Punkt. Aber darunter die meterlangen Fäden.... Ich erspar euch die hässlichen Bilder, gibts genug bei Google.



Noch nie im Leben habe ich einen solch krassen Klimawechsel innerhalb vielleicht einer Stunde erlebt, schon gar nicht in einem an sich langsamen Segelschiff. Ok, mal von Köln nach Kroatien geflogen, dort schien die Sonne, aber dies hier im sogenannten Nordwall war der Wechsel von karibischer 26 Grad mit brennender Sonne im Golfstrom (25 Grad Wassertemperatur) in gefühlte 5 Grad Nordatlantik, real 13 Grad Lufttemperatur, 11 Grad Wassertemperatur, dazu dicker Nebel. Ein 280m Tanker hält Kurs auf uns zu,  ich funke ihn an mit der Bitte, seinen Kurs zu ändern, weil wir es wegen Schmetterlingsbesegelung vor dem Wind nicht können. Er tut es ohne Murren. Bei Welle bis zum Biminidach hat wohl jeder Kaptain eines Frachters in seiner vollklimatisierten Großraumkommandozentrale Mitleid mit einem Segelböötchen. Die letzten Wetterdaten versprechen konsequent ein durchziehendes Tief mit noch kälteren Temperaturen. Ok, dann bereiten wir uns mal darauf vor, zumal es uns in der Nacht erwischen könnte. Segel 2. Reff, alles festbändseln, Bullenstander, Fock auf 50% reffen, ausbaumen, um einen Vor-Wind-und-Welle-Kurs fahren zu können. Es kam wie erwartet, der Himmel zog sich zu, schnell wurden aus 20 erst 25, dann 34 Kn. Wind.
Wir steckten schon in Schwerwettersegelzeug wie in Holland im Herbst zum letzten Absegeltag, sogar Handschuhe und Mützen mit Ohrenklappen hatten wir an. Extremer kann ein Wechsel vom Karibik-Feeling in Nordseegefühle kaum sein. Nur einen Unterschied gab es dazu:
Wir rochen "unsere Insel" tatsächlich auf über 180 Meilen voraus. Es ist ein ganz besonders würziger, harziger Waldgeruch, den unsere Kinder schon in der Nase haben, weil oft intensiv gerochen. Er kroch uns mit der Feuchtigkeit ins Schiff, in die Kojen. Und da kamen auch schon die ersten Seevögel, liessen sich nieder bei Liza, verwechselten sie wohl mit den sonst üblichen Fischkuttern. Etwas früher schon als diese Vorboten umkreiste uns zweimal im Tiefflug die kanadische Obrigkeit, eine C-GMRS. Vermutlich sind wir schon biometrisch erfasst. Keine Fragen im Gegensatz zu einem Gespräch, dass wir mit einem Frachtschiff vorher schon auf Kanal 16 mitgehört hatten. Wir fuhren mit AIS, unser Schiffsname deutlich auch aus der Luft lesbar. Gut dass sie wissen, das wir kommen.
Inzwischen war Zoll, Custom, Immigration an Bord und haben alles "abgesegnet", das Schiff nicht komplett durchsucht, sondern unserer Einfuhr vertraut und uns mit den Worten begrüßt: I tell you a secret: this is the best country in the world. My name ist Jeff, my roots are german. Welcome in Canada

Ankunft bei Sonnenaufgang


Von diesem Augenblick habe ich jahrelang geträumt. 


Klar zum Anlegen, Lunenburg im Hintergrund, 8 Grad um 8 Uhr






zwei Ruderinnen in einem typischen Dori kommen uns entgegen
Und da liegt die Nomad, Doris & Wolf haben es auch geschafft. Die Wiedersehensfreude ist groß

Zur völligen Überraschung steht kurz nach dem Anlegen Ralf am Steg und empfängt uns daheim. Er hat uns auf seinen webcams kommen sehen.

Dienstag, 4. Juni 2013

Via Inmarsat:

Das Tief mit 35-40Kn in Boen ist durch. Kommen am 5. Jun morgens in
Lunenburg In bester Launean!

Please note your reply is limited to 160 Latin characters or approximately 135 for non-Latin characters.

Sent via Inmarsat. The mobile satellite company

Donnerstag, 30. Mai 2013

Wir sind auf dem Weg nach Nova Scotia

Das Hoch über NS scheint sich zu etablieren, die Winde sind gut, und wir
fahren mit den Seenomaden.at
Abfahrt lokale Zeit 11 Uhr

Mittwoch, 29. Mai 2013

Wetterfenster vorerst geschlossen...

Tja, das war`s wohl mit dem Wetterfenster. Wolf von den Seenomaden hat mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung "hinter" den Gribfiles die Kraft des sich NW von Nova Scotia entwickelnden Tiefs gestern geahnt und ist deshalb nicht losgefahren. Heute bestätigt sich dies in der Wochenvorhersage. Die ist natürlich sehr vage, aber grundsätzlich macht sich das Tief über Nova Scotia breit und in genau einer Woche, wenn wir ankommen würden, haben wir massiv Gegenwind und vorher in Böen über 40 Knoten, von hinten, also handelbar, aber es muss ja nicht sein. Ich hab die beiden Wetterkartenausschnitte mal hier hinein gestellt. Wir dachten übrigens immer, wir wären sehr vorsichtig mit dem Wetter, warten zu lang etc, aber wir sehen hier bei den anderen, dass sie noch viel vorsichtiger sind, und deshalb vielleicht zehn, zwanzig Jahre sich auf See "halten" konnten, wenig schlechte Erfahrung gemacht haben. Das Diskutieren über Wind & Co nimmt bei allen Seglern einen sehr großen Raum ein, und es wird immer mehr, weil es die typischen, beständigen Großwetterlagen nicht mehr gibt. Bei euch in Deutschland ist es ja wohl auch schweinekalt für fast Anfg. Juni. Klar, alle reden übers Wetter, worüber sonst, könnte man sagen. Aber hier im Ankerfeld geht es sozusagen um`s Überleben. Wir haben ja nur eine Woche vor uns, die meisten mindestens zwei bis zu den Azoren, einige Franzosen, Holländer, Engländer fahren sogar durch bis nach Hause, weil die Azoren zu südlich liegen. Wie dem auch sein, wir müssen Geduld haben, werden uns noch mehr die Strände anschauen, und in Zukunft keine Prognosen mehr über unseren Abfahrttermin bloggen. Et kütt wie et kütt.
Es ist halt frustrierend, wenn man sich so voll motiviert mit allen Vorbereitungen und administrativen Dingen durchgekämpft hat, bereit in See zu "stechen", und dann bricht erst mal alles wieder zusammen. Naja, wir werden die Energie warm halten und noch eine schöne Zeit hier haben. Wer kann sich schon Urlaub auf den Bermudas leisten. Ihr habt keine Vorstellung davon, was hier das Leben kostet. Das höchste Pro-Kopf Durchschnittseinkommen der Welt (liegt hier bei knapp unter 10000 USD/Monat), ein Toastbrot kostet 6 Dollar, ein Bier neun, eine normale Einkaufstasche voll im Supermarkt 80 - 90 Dollar. Essen gehen geht gar nicht, brauchen wir auch nicht, eine Techniker-Stunde oder auch Segel Nähen 90-100 USD, ein Hotelzimmer untere Kategorie könnten wir uns gar nicht leisten, fängt bei 300 USD an.
Zum Glück hatten wir reichlich in St.Thomas USVI eingekauft vor der Überfahrt, können es also gut auf unserer Liza "aushalten".
Vorhersage für 5. Juni. Blau ist ein Tief mit viel Regen, in der ganzen linken Bildhälfte Gegenwind, der sich momentan mit der Front nach Nord-Osten ziehend ausdehnt.

die neue "NEW" Kaltfront NW von Nova Scotia in der Bildmitte
Wer übrigens eine 8-Tage Vorhersage ohne Wettersoftware sehen möchte, findet hier bei Passageweather die längere Entwicklung   
Dort sieht es sogar so aus, dass sich gegen Ende nächster Woche die Lage wieder stabilisiert. Mal weiter beobachten....

Dienstag, 28. Mai 2013

Grillabend - Abschied

Man ist es ja gewohnt hier auf den Bermudas, dass täglich Schiffe zu einem Ein-Wochen bis Drei-Wochen Törn aufbrechen. Der wohl letzte Abend mit Matthias und Ulrike von der www.sy-bella.de fiel uns aber besonders schwer. Die beiden fahren via Azoren zurück nach Kölle. Das Wiedersehen im Herbst in Köln tröstet darüber hinweg. Die Seenomaden Wolf und Doris sehen wir in Kanada wieder. Wir haben heute intensiv Wetterkarten studiert. Es macht gemeinsam doch mehr Spass, über den richtigen Abreisezeitpunkt zu diskutieren. Wir haben manch eine andere Yacht von unserem Grillplatz aus beim Auslaufen beobachtet und "fahren lassen". Es gab nach viel Arbeit heute zur Belohnung ein phantastisches Abendessen, wie man es in keinem Restaurant bekommt. Vom Holzfeuer schmeckt es einfach am besten, und in netter Runde sowieso. Es ist so gut, Erfahrungen und Erlebnisse von gleicher Segelroute auszutauschen und ein wenig all den Erlebnissen nachzuhängen. Ein Gefühl, als ob man sich schon ewig kennt.



Abfahrt auf Do verschoben

Es zieht Anfg. nächster Woche noch eine Kaltfront über Nova Scotia von NW kommend, die Wind bis 35 Knoten bringt. Das müssen wir nicht haben, denken auch die anderen Kanadier hier, teils mit Wetter-Routing/Beratung. Ok, wir sind zwar Abreise fertig, haben Diesel und Wasser gebunkert, eingekauft, aber es ist ja auch nicht nötig, in einer Kaltfront-Wetterlage mit 12 Grad Lufttemperatur in Nova Scotia anzukommen. Also beobachten wir morgen noch mal, wie sich das Tief entwickelt und grillen heute abend noch alle zusammen auf einer kleinen Insel hier in der Lagune. Hat auch was Schönes.

Montag, 27. Mai 2013

in 2-3 Tagen geht`s auf los nach Nova Scotia

mit Matthias und Ulrike von der "BELLA". Typisch der rosafarbene ganz feine Sand im SW der Insel.
Das Wetterfenstern stellt sich von Tag zu Tag besser da. Wir werden Mittwoch oder spätestens Do aufbrechen. Heute haben wir mit den beiden Kölnern von der Bella noch einen Fähr-/Busausflug über die Insel gemacht. Ich habe mein Hydrauliköl am anderen Ende der Insel bekommen, der Öl-Behälter vom Autopilot ist geklebt, die Reffleine neu, es kann also losgehen.

Hier noch eine Frage an unsere Segelrunde: weiss jemand, ob das System des Autopiloten (Lecomble und Schmitt 40 ST 16 , im Raymarine ST6001 verbaut, über die roten Nippel entlüftet wird nach Einfüllen von neuem Öl?)
 
Im Hintergrund meine temporäre Reparatur des Ölvoratbehälters mit einer Tuppadose und in Epoxy eingegossen. Man beachte das Sichtfenster für den Ölstand !!   :-)

Sonntag, 26. Mai 2013

Vorbereitung

Es ist eine ganz eigene, wunderbare Stimmung unter den Seglern hier. Wer
hier vor Anker liegt, hat Atlantiküberquerungen, Weltumsegelungen etc.
hinter sich und wartet auf die nächste Gelegenheit nach USA/Kanada bzw.
via Azoren zurück nach Europa. Es sind einige deutsche Schiffe hier, und
wir haben wieder Freunde gefunden, Matthias &Ulrike von der Bella aus
Köln, und Wolf & Doris von der Nomad (www.seenomaden.at). Letztere
werden mit uns gemeinsam nach Nova Scotia aufbrechen und ebenfalls
Lunenburg ansteuern. Sie segeln seit 8 Jahren mehrfach um die Welt und
möchten jetzt mal abseits der bekannten Routen Neues erkunden. Und da
stand Nova Scotia - Neufundland - Grönland auf ihrem Plan für dieses Jahr.
Es ist ein emsiges letztes Vorbereiten auf allen Schiffen zu beobachten.
Alle haben nach der Überfahrt hierher noch Reparaturen auf der
Arbeitsliste, manchmal auch größere. Es kommen Schiffe ohne Mast herein,
werden ohne Motor reingeschleppt, oder es sind nur die Segel kaputt,
Vorstag gebrochen etc. Wenn wir das so sehen, haben wir eigentlich nur
Kleinigkeiten. Matthias &Ulrike hatten genau die passende Reffleine für
uns, Wolf & Doris sind mit dem Generalvertreter von Raymarine in
Östereich gut befreundet, und alle haben jahrelange Erfahrungen. So
verbringen wir schöne Abende gemeinsam , fahren morgen alle zusammen
nach Hamilton an die Westseite, wo ich noch Hydrauliköl kaufe. Den
Autopilot-Ölbehälter klebe ich mit Epoxy und einer Tuppa-Dose selber. Er
wird besser halten, als ein neues Ersatzeil, auf das wir mit Zoll etc.
sicher wieder eine Ewigkeit warten müssten. Hier hilft wirklich jeder
jedem, auch mit eigenem Material, Klebern usw. Jeder hat irgendetwas,
was der andere gerade braucht oder nicht hat und umgekehrt. Diese
Atmosphäre unter ausschließlich Langfahrtseglern habe ich so bisher noch
nicht erlebt. Hierher verirrt sich kein einziges Charter-Schiff. Und
abends um 21 Uhr ist überall Ruhe auf den Schiffen, Licht aus, man
schläft vor, erholt sich für bevorstehende Wochen auf See.
So wie es aussieht, wird sich für uns ab Donnerstag ein gutes
Wetterfenster auftun. Wir beobachten die Entwicklung noch ein wenig,
aber das ist der Countdown. Wir freuen uns drauf.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Fotoalbum Bermuda

Ich bin so froh, dass wir hier sind. Es sind nur noch Langfahrtsegler hier, die auf die Azoren oder nach Norden USA/Kanada wollen. Morgen ist nationaler Feiertag, Dingirennen, Paraden. So langsam sind wir wieder normal ausgeschlafen und können uns daran freuen. Ein paar weitere Augenblicke hier unten im Album, das ich sicher nach und nach noch ergänze.

Bilder auf dem Weg

...zur Werkstatt. Wir sind hier vom custom und immigration übrigens so nett empfangen worden wie auf der ganzen Reise nicht ähnlich hilfsbereit.















St. George

Ein kleiner erster Eindruck. Super
Angenehme 24 Grad.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Angekommen auf Bermuda

nach 7 Tagen, knapp 1000 SM, also ein Drittel der Atlantiküberquerung ab
den Kanaren. Wir sind total begeistert von St. George, das Klima ist
sooo angenehm. Die Landgerüche und - Geräusche... Wir müssen uns erst an
alles gewöhnen. Demnächst schreibe ich mehr. Jetzt fallen wir totmüde in
die Kojen.

Check-in/OK message from Nachricht von SPOT Crew LIZA Position SPOT Nachrichtenübermittler/Kurier.

Crew LIZA Position
Latitude:Breitengrad32.02568
Longitude:Längengrad-64.70313
GPS location Date/Time:GPS-Aufenthaltsort Datum/Uhrzeit05/22/2013 07:25:47 PDT

Message:Message/ NachrichtLand in Sicht 16.20 deutscher Zeit,noch 20 SM

Klicken Sie auf den untenstehenden Link um zu sehen, wo ich gerade bin.
http://fms.ws/C9Jgf/32.02568N/64.70313W

Wenn der obige Link nicht funktioniert, versuchen Sie diesen Link:
http://maps.google.com/maps?f=q&hl=en&geocode=&q=32.02568,-64.70313&ll=32.02568,-64.70313&ie=UTF8&z=12&om=1

Crew LIZA Position

Sie haben diese Nachricht erhalten, weilCrew LIZA Position hat Sie zu seiner/ihrer SPOT-Kontaktliste.

Ready for Adventure
FindMeSPOT.com

Dienstag, 21. Mai 2013

Oh wie freuen wir uns auf die Ankunft morgen auf Bermuda

Wir haben es geschafft, können mit Fug und Recht behaupten, Liza nach
Bermuda gesteuert zu haben. Am 2. Tag fiel nämlich der Autopilot aus.
Somit blieb uns nichts anderes übrig, als zu zweit Tag und Nacht
abwechselnd zu steuern. Was das bedeutet, weiss jeder Segler, der mal
nur eine halbe Stunde (meist nicht annähernd so gut wie der Autopilot)
versucht hat, den Kurs manuell zu halten. Demenstprechend müde sind wir,
um eine große Erfahrung reicher. Ich habe keine Zeit gehabt, Tagebuch zu
schreiben. Wer nicht "am Rad drehte", hat geschlafen.
Wie wir die Zeit verbracht haben, bleibt unsere Geschichte, die
Verwirklichung unseres gemeinsamen Abenteuers. Es ist uns diesmal nicht
so wichtig, wie groß die Fische waren, wie viele Delfine uns begleitet
haben usw. Aber wir haben uns sehr gefreut über die Delfine, nach so
viel Pech mit der Technik und dass zudem am 3. Tag ein wirklich riesiger
Schwertfisch (!!) verloren ging, weil die hochwertige Angel (für Fische
bis 200 kg) nach fast einer halben Stunde hereinziehen brach. Ich
versuchte die letzten Meter mit Leine sichern auf der Klampe, aber
zuletzt riss dann noch das Stahlvorfach (wo der Köder dran hängt) und
wir sahen zu, wie der Fisch davon schwamm, der uns im Wasser so groß wie
unser Körper erschien (ok, vielleicht ohne Kopf ;-) Die Delphine
brachten vielleicht das Glück, dass ich nach einiger Zeit auf hoher See
bei viel Welle im Motorraum verbringend den Fehler im hintersten Winkel
fand und zu mindest improvisieren konnte, so dass der Autopilot seit
gestern zumindest temporär wieder ansprechbar ist, behelfsweise mit
Motor-Öl befüllt (die Hydraulikpumpe verlor Öl, weil ein unerklärlicher
Bruch im Ölbehälter auf der RÜckseite versteckt die Ursache war). Wir
wissen nun auch, was der Unterschied ist zwischen theoretisch idealen
Segelbedingungen 15-20 Knoten in Küstennähe oder mit Rückenwind und
15-20 Knoten Halb-bzw. Gegenwind mit 2m Welle von vorn, während ein
ausgeprägtes Hoch ein Wolkenband vor sich herschiebt, das nicht nur
kräftig ausregnete, sondern wie die Squalls auf dem Atlantik schnell mal
10 Kn mehr Wind mit sich bringt. Mit dem Unterschied, dass der Spuk
nicht wie gewohnt kurz darauf vorbei war, sondern erst nach einem ganzen
Tag bzw. einer ganzen Nacht, zudem von Hand zu steuern. Also, ich denke,
zusammen mit der vergleichsweise sehr viel anspruchsloseren
Atlantiküberquerung haben wir nun unsere Feuer- nein Wasser- oder
Wind-Taufe bestanden. Und wir haben noch einmal mehr Respekt vor dem
Meer und seinen Launen bekommen. Aber eben auch das gute Gefühl, dass
wir die Situation gemeistert haben. Nun freuen wir uns auf Ausschlafen,
nachdem die berühmte Bermuda-Bürokratie sicher auch nicht schlimmer
wird, als in die USA einklarieren. Und dann heißt es mal wieder ein paar
Dinge reparieren, außer dem Autopiloten - so hat der Tag Segeln bei Böe
und harter Welle von vorn das vor der Segelfahrt noch neu gekaufte Fall
des 1. Reffs so beansprucht, dass es an der Austrittsstelle aus dem Baum
gerissen ist - natürlich im Baum verschwunden. Muss also neu eingezogen
werden. Aber daran denke ich, wenn wir etwa morgen nachmittag ankommen,
hoffentlich bei Tageslicht, denn jetzt lässt der Wind wieder nach. Aber
wir werden dann motoren, zumal wir bisher erst 16 Std. pro Maschine vom
Diesel Gebrauch machen mussten)
Das ist nur mal ein kurzer Lagebericht von der zufriedenen, vorfreudigen
Liza-Crew, den ich schnell vom PC mit abschicke, da wir gerade davon die
Einklarierungsformulare vorab per Inmarsat senden.

Mittwoch, 15. Mai 2013

Es läuft prima Kurs 0 Grad Nord

Mit dem letzten Netz , das wir noch auf der Hoehe von Anegada erwischen einen lieben Gruss an alle und Danke fuer die guten Wuensche und Begleitung mit Euren Gedanken. Wir sind hervorragend gelaunt, gewöhnen uns an Scheinbaren Wind von 60 grad, also gefühlt hoch am Wind bei 7-8 Knoten Fahrt. Dementsprechend schaukelig, aber wir haben ja beide keine Probleme mit Seekrankheit. Es ist toll wieder auf Hochsee zu sein, keine neuen Mücken und keine Plaene machen, wann wo in welcher Bucht. Macht's alle gut, wir lassen von uns hören bzw. lesen.

Von meinem iPhone gesendet

Dienstag, 14. Mai 2013

Auf nach Bermuda

Wir starten Mittwoch nach Norden. Zumindest eine Woche lang ist das Wetter gut, wenn es wegen eher zu wenig Wind länger dauert haben wir gut Proviant dabei, zumal die Bermudas extrem teuer sind.
Drückt uns die Daumen, wir freuen uns auf kurze Nachrichten auf das Satelliten-Telefon an die Inmarsat email hier oben unter 'Kontakt'
Auch gern Wetterinfos, falls wir mit unseren begrenzten Datenraten nicht bemerken, dass sich meist in Nordwest ein Tief zusammenbraut. Wir sind aber guter Hoffnung, das diverse Hochs erst mal auf unserer Seite sind.
So nun werden wir die nächsten vielleicht 9 Tage wenig schlafen, uns zu zweit die Nachtwachen teilen und hoffen, das die Technik durchhält, vor allem der Autopilot.
Bis dahin gibt's nur Positionsmeldungen und mal ganz kurze Textinfos.



Von meinem iPhone gesendet

Sonntag, 12. Mai 2013

Diät des Geistes

das ist es, was wir hier machen, und ich möchte mich daran erinnern später. Wir sind nicht verrückt wie so manche Segler, oder alle in der Coral Bay wie Ray sagt. Brauchen die "Betäubungsmittel, Drogen und Alkohol nicht, von einem Absacker gelegentlich zum schnelleren Einschlafen abgesehen. Aber süchtig nach Ruhe sind wir, haben uns allein in die winzige Newfound Bay verzogen, von Riffs umgeben, vor einem Gewiitter verkrochen, nachdem letzte Nacht uns in der Round Bay die Regentropfen wie Schmirgelpapier um die Ohren flogen. Gegenüber in dem 6 Seemeilen entfernten Road Town hören wir leise die Diskotheken, aber die Grillen übertönen das Durcheinander. Wir haben immer noch keinen Wunsch nach dieser Ablenkung, Zerstreuung unserer Gedanken und dem Beenden der Zeit in der Karibik. Wir sind reif, nicht so wie ich es immer gesagt habe, das ich einmal im Leben voll die Langeweile der Eintönigkeit weißer Strände mit Palmen und blauem Meer unter dem Himmel erleben wollte, sondern wir sind reif für ZUHAUSE. Fast ein Jahr Sonne hat Früchte getragen. Wir sind für die angebrochene Sommer-Regenzeit nicht gemacht, und auch nicht für das karibische, zurück gelehnte Warten was kommt oder nicht kommt. Wir können und wollen unsere Wurzeln nicht verleugnen, wollen noch etwas auf die Beine stellen.
Bei einen Sonnenaufgang wie heute, das Wasser so klar dass man die Rochen auf dem Grund im Sand beobachten kann, morgens genau richtig temperiert zum ganz allein baden in der Lagune, könnte es immer so bleiben - aber in einer Stunde sengt die Sinne alles in eine lähmende Hitze . Manch einer rafft sich nicht mehr auf, bleibt hier hängen, segelt sein ohnehin fast verfallenes Schiff nicht in den sicheren Süden nach Grenada oder Trinidad, ergibt sich dem Schicksal, der schwülen Sommer-Hitze, egal ob der nächste Hurricane alles nimmt oder noch ein Jahr so leben schenkt. Schon die Jüngeren Locals denken so. Die graubärtigen, wettergegerbten, liebenswerten Salzbuckel haben wenigstens ein bewegtes Leben hinter sich, nun bereit, es jederzeit zu beenden, weil es intensiv gelebt war, sei es mit Betäubungsmitteln oder auf natürliche Weise. Für sie ist das alles natürlich. Welten trennen uns von diesem Zustand, aber auch Jahrzehnte und noch viel zu viel Energie und Unternehmergeist. Es ist eine andere Energie als vor der Karibikzeit. Vor allem aber die Erkenntnis, das wir in einer Gemeinschaft oder Community leben möchten, die wir uns nur auf dem Land oder in Landnähe schaffen können. Wir sind im Herzen keine Seenomaden, kommen wohl mit sehr wenig aus, aber nicht ohne Kontakte oder nur per email.
Zu gern würde ich meiner Mutter ein Sträußchen vorbei bringen zum "Mothers Day", sie kräftig dafür drücken, dass sie mir dieses Leben geschenkt hat, das wir so gern weitergeben. Wenn ich darüber nachdenke fällt mir auf, das uns das mit all unseren Freunden verbindet: Kinder haben und ihnen eine Welt zeigen wollen, die unglaublich lebenswert und liebenswert ist.