Freitag, 14. September 2012

So sieht`s hier heute aus in Licata

Der Anfang des Videos ist noch auf dem Weg hierher, aber dann ab der Mole ist die Hafeneinfahrt nach Licata zu sehen. Es war so stürmisch mit Hagel, dass wir erst mal hinter der Mauer in Deckung gingen. Am Ende aus dem Schiff gefilmt waren es knapp 40 Knoten Wind.

???

Es kam noch heftiger heute Nacht, die Masten der Einrumpfschiffe hatten alleine vom Wind her eine Neigung (Krängung) wie sonst beim Segeln. Der heftige Regen prasselte die ganze Nacht auf das Deck. Corinna und Flo haben zwischendurch geschlafen, aber wir beiden denken immer ans Schiff, können uns nicht wie auch frühere Gäste es taten, uns einfach hingeben, darauf verlassen, dass Skipper & Co schon für alles sorgen. Wir werden wach, wenn der ganze Mast vibriert, treffen uns draußen beim Checken der Leinen und ob wir noch genug Abstand zum Steg haben, weil der Wind 180 Grad gedreht hat. Es ist alles gut und sicher vertäut, aber Schlaf stellt sich nicht wirklich ein. Es sind Naturgewalten im Gange, die lärmende Sprache des Sturms, die uns unmissverständlich klar macht, dass das nicht unser Element ist. Selbst im Hafen knallen dicke Wellen an den Rumpf. Und immer die Frage, warum sich dem aussetzen, wenn man doch einfach gern mal ein festes Bett unter dem Hintern hätte. Was sollen diese nun schon lange andauernden Extreme uns sagen. Jetzt stimmen die Temperaturen, morgens 22, tags 27 Grad, wir könnten uns wohl fühlen, haben aber gar keine Lust zu segeln. Ich habe mich in meine Koje verkrochen, Luke zu, um mal für einen Augenblick das Pfeifen der Wanten bei 30 Knoten nicht hören zu müssen. Eigentlich könnte ich das filmen für Euch, aber was bringt es? Vorstellen kann man sich das eh nur in der bisher erlebten Länge an Bord, nicht aber zu Hause in sicheren Wänden. Ich versuche ehrlich in mich zu horchen, was ich wirklich will. Es gab wunderbare Tage, wie ja hier im Blog zu lesen und zu sehen. Das ist schwer zu toppen, ich weiß es. Ich hab die Nase voll vom Warten im Sturm und schlaflosen Nächten. Aber noch gibt es das Ziel, LIZA nach Kanada zu bringen. Oder mache ich mir etwas vor, weil ich den Augenblick z.Zt nicht genießen kann, der Weg nicht das Ziel ist. Was ist, wenn uns die Karibik nicht gefällt, zu voll, zu touristisch? Egal, dann weiß ich, dass das Leben am Meer im Haus in Kanada genau das Richtige ist. Ich lasse mich ein auf das , was noch kommt, kann nicht einfach schlechte Erfahrungen skippen. Ich muss sie machen, um meinen Weg zu finden. Das hier ist jedenfalls mehr, als nur eine Bewährungsprobe im Sturm, es ist die tägliche Konfrontation mit den Ur-Elementen, und mit der Frage, was glücklich macht und wo und wie ich leben will. Immerhin habe ich die Freiheit, mir diese Frage stellen zu dürfen. Und die Option, dass ich letztlich nicht viel Äußeres brauche, bereit bin, mich zu reduzieren. Ich brauche Raum, Zeit und eine gewisse Wohlfühlzone für die Reise nach innen. Die stimmt zur Zeit nicht. Es kann sich bald ändern mit besserem Wetter, oder ich muss etwas ändern. Ich möchte Positives schreiben, ohne etwas vorzumachen. Schön sind die Gespräche mit der "Jugend", die jetzt auch gar nicht segeln will, sondern einfach erlebt, was gerade ist. Ich tue das die nächsten Tage auch, wohl wissend, dass ich eine Aufgabe habe und eine Entscheidung, auch dann weiter zu machen, wenn die Co-Skipperin eine vorübergehende Pause macht.

Donnerstag, 13. September 2012

Zeit zum Nachdenken

am rechten Knie ein bemerkenswerter Friedhof, siehe weiteres Bild unten
Das hat Corinna oben auf dem span. Kastell von ihrem Vatter gemacht...
Wir sind heilfroh, dass wir hier in der Marina www.marinadicaladelsole.it den seit ein paar Tagen vorhergesagten Sturm abgewartet haben. Es kachelt gerade mit 30 Knoten im Hafen.
Die Umgebung erschließt sich nicht auf den ersten Blick, es ist ein ganz anderer Eindruck verglichen mit dem sauberen Kroatien... Die gepflegte Marina steht in einem starken Kontrast zu der verwahrlosten Umgebung. Es ist interessant und widersprüchlich zugleich geplant, die größte Marina in der EU hier zu vollenden. Keine Ahnung, wer hier alles herkommen soll. Es wirkt ausgestorben, nur ein paar Fahrtensegeler harren hier aus. Die Marina-Angestellten sind sehr nett, überprüfen gerade die Moorings im Sturm. Uns ist es fast egal, wo wir gerade sind, hauptsache sicher. Und das ist hier gegeben mit riesigen Schutz-Molen, wie auf den Fotos zu sehen. Je mehr schöne Dinge man im Leben schon gesehen hat, umso schwieriger wird es, den Charme einer solchen Anlage zu erkennen. Naja, wir haben hier Zeit, unsere Weiterreise zu organisieren.



Toller Ausblick... hier ruhen einige berühmte sizilianische Familien
sehr gepflegt die Marina - und gut bewacht

Dienstag, 11. September 2012

Licata

Wir sitzen in Licata mit ein paar "alten bekannten" Fahrtenseglern das kommende schlechte Wetter ab. Vor dem Wochenende ist weitersegeln oder auch motoren nicht möglich bei bis zu 7 Bft. direkt auf die Nase, also von vorne. Wir lernen gerade wieder, Krisen als Chance zu erkennen, mal herunter zu kommen ohne Planung, wohin und wie schnell und tags oder nachts wir heute oder morgen wieder aufbrechen müssen.  Wir sind jetzt einfach hier, entdecken die schräge, ur-sizilianische Stadt und die Umgebung mit dem "Tal der Tempel" (griechische Ausgrabungen bei Agrigent). Eigentlich hatten wir uns die Aus-zeit ja mit ZEIT vorgestellt, und die nehmen wir uns jetzt. Möglicherweise kommen wir nicht mehr im November über den Atlantik, aber auch diesbezüglich befreien wir uns gerade vom Zeitdruck. Das Wetter ist statt über Sardinien, Balearen weiter südlich via Tunis und Marokko etwas besser, aber die 500 SM an Algerien vorbei sind aus polit. Gründen nach einigen Recherchen keine gute Wahl. Man darf das Boot nur in Polizeibegleitung verlassen, braucht ein Visum, Reparaturen unmöglich usw usw. Da können wir genau so lange auf ein paar brauchbare Wetterfenster für die nördl. Route warten. Das Entschleunigen ist mir bisher nicht wirklich gelungen, da permanente Flexibilität und schnelle Entscheidungen, slippende Anker, Gewitter, Nachtfahrten, lauter Unwettersituationen ein In-mich-gehen kaum erlaubten. Heute ist unsere Tochter Corinna mit Florian für vielleicht den Rest des Monats an Bord gekommen, nachdem sie gerade vor 3 Tagen erst aus Kanada zurück geflogen ist. Es gibt viel zu erzählen. Und mal leben statt immer reisen tut auch gut auf dem Schiff. Bei wenig Wind ist es ja auf dem Kat ja auch unterwegs ein Gefühl wie im Wohnzimmer, aber bei viel Welle oder Motoren will man ankommen, kann das Fahren selbst nicht wirklich genießen. Und das geht den anderen Seglern selbst auf 16m Schiffen nicht anders. Deshalb warten sie auch ab, insbesondere in einer Marina wie Licata, die alle Annehmlichkeiten und guten Wetterschutz bietet und eine der preisgünstigsten ist, weil ohne Aufschlag für Katamarane. Wenn LIZA überwintert, dann hier. Wir versuchen aber weiterhin, die Atlantiküberquerung 2012 zu realisieren und sind dankbar, dass wir so viel Zuspruch bekommen.

Samstag, 8. September 2012

Wir nähern uns RAGUSA - ein Winterlager?


Ich will Marzamemi nicht Unrecht antun und den ersten verschlafenen Eindruck heute nach der Abfahrt noch ergänzen. Gestern zum Wochenende verwandelte sich der Marktplatz in ein belebtes antikes Eckchen, dass auch uns zum Essen einlud. Sizilien ist ja bekannt für lukullische Genüsse, und so haben wir das Treiben genossen rund um die historische Tunfisch-Fabrik. Wieder bleibt die Erkenntnis, dass man einfach eine Weile irgendwo sein muss, um die unterschiedlichen Gesichter einer Gegend oder Stadt zu erkennen.
Die gestrandeten Schiffe, die einen so traurigen ersten Eindruck mit verantworten, waren übrigens Schiffe mit Flüchtlingen, die vom Wind auf Grund geschoben wurden. Die Gemeinde kann sich die Bergung wohl nicht leisten. Übrigens sieht man hier so gut wie keinen Deutschen mehr. Auch nur noch sehr wenige deutsche Segler. Das wird in Ragusa wahrscheinlich anders. Dort sind wohl viele Überrwinterer, besonders aus England. Der Gedanke, dass wir es nicht mehr rechtzeitig schaffen bis zu den Kanaran, um mit dem Passatwind über den Atlantik zu kommen, nimmt immer mehr Raum ein. Es sind noch allein bis Gibraltar direkte Route 12 Tage nonstop, ohne Kreuzen gerechnet gegen die überwiegend nordwestlichen Winde. Also, mit etwas bangem Gefühl schauen wir uns dieses unter Insidern empfohlene Winterlager mal an.  

Donnerstag, 6. September 2012

Marzamemi - am Ende der Welt

Obwohl heute die in die gleiche Richtung segelnden alten Hasen alle im Hafen Siracusa geblieben sind, haben wir unseren ganzen Mut zusammen genommen und sind aufgebrochen nach Marzamemi. Der angekündigte Westwind versprach einen guten Halbwindkurs. Nur die 1,90m vorhergesagte Welle war nicht so toll, aber von der Seite gehts....  Ja, und was dann tatsächlich eintrat, war ein Südostwind, also wieder gegenan kreuzen, dafür aber nur eine max. 1m hohe Welle. Nach ein paar Stunden drehte der Wind dann auf West, und wurde wieder ein 6 Bft, in Böen deutlich mehr, weiss nicht wie viel. Es war böiges, aber gutes Segeln mit 9-10 Knoten trotz Reff, aber auch wieder Angst im Nacken, wie das Anlegen wird. Ankern geht wie gesagt hier nicht, und die Marinas sind ganz und gar nicht mit dem Service in Kroatien zu vergleichen. Das Anlegen hat aber gut geklappt, wir sind wirklich inzwischen perfekt eingespielt aufeinander. Die Umgebung ist ein gottverlassenes Dorf. Viel Müll und karge, staubtrockene Flächen in flimmerndem, gleißendem Licht, nicht zu Ende gebaute Häuser, ein paar gestrandete, nicht geborgene Schiffe im und am Hafen. Dass Sizilien auch zur EU gehört... Was uns immer wieder sehr positiv auffällt ist die Freundlichkeit der Menschen. Sie helfen nach ihren Möglichkeiten wo es geht.
Die wenig ansprechende Umgebung verführt nicht gerade zu Erkundungen des Dorfes. Dafür zum Nachdenken. Ja, ich habe mir Sizilien insgesamt anders vorgestellt, lieblicher, den Süden zumindest ohne die gewaltigen Berge der Nordküste. In Kroatien hatte ich über die beispiellose Geschäftstüchtigkeit gelästert und das insgesamt sehr sehr hohe Preisniveau. Hier komme ich manchmal ins Grübeln oder muss wirklich sagen, dass ich unser deutsches Ländle mittlerweile mit ganz anderen Augen sehe. Nicht nur im Vergleich, denn hier gibt es die liebenswerten Menschen, sondern was die Germanen so aufgebaut haben - auf Kosten der Leichtigkeit und Lebensfreude. Man kann "den Deutschen" auch auf den Schiffen eindeutig erkennen, ohne Landesflagge. Egal, ich bin auch so einer, nur brauner, werde daher gelegentlich für einen Südländer gehalten. Im Kopf bin ich aber deutsch, und darauf manchmal stolz, manchmal nicht, weil ich zu viel denke, statt zu leben. Ich kann es auch nicht ändern, will es auch nicht bewerten, ob es gut oder schlecht ist, nachdenklich zu sein. Während der Segelei ist der Verstand absolut ausgeschaltet, da bin ich ganz bei der Sache, eins mit dem Schiff. Nach dem Anlegen fällt dann eine solche Müdigkeit über mich her, und der Kopf fängt wieder an zu fragen, ob mich das jetzt glücklich gemacht hat, warum ich das tue, was mir gefällt und was nicht. Manchmal bin ich so voller Eindrücke, dass ich gar nichts Neues mehr sehen will. Dann verstehe ich die vielen alten Salzbuckel, die halt auch mal 10 Tage an einem Ort bleiben. Ich überlege, ob ich das auch noch mal im Mittelmeer "von Vorne" beginne, also ohne den Zeitdruck, weil wir zu spät dieses Jahr losgekommen sind. Ich wollte halt unbedingt 2012 los, auch wenn das ganze Frühjahr mit Wichtigerem gefüllt war. Aber darüber denke ich erst mal weiter nach, bevor ich darüber schreibe. Wieviel hat mein Glück überhaupt mit der Außenwelt zu tun? Ist es am Ende egal, ob ich segle oder nicht? Gibt es eine Balance zwischen außen sehen und innen sehen?  Naja, zumindest bin ich vom Wetter abhängig. Das Leben auf dem Schiff ist sehr materiell und wenig meditativ, weil lauter als ihr denkt. Und immer ist irgendetwas zu tun, den ganzen Tag. Aber es bleibt eine faszinierende Idee, autak zu leben. Unsere Wasser- und Strombilanz funktioniert hervorragend. Immerhin !! 



Mittwoch, 5. September 2012

Abwarten in Siracusa

Skipper mit Gummibaum am bekannten Aquarium

Das Kastell von Siracusa. Links in der Bucht haben wir die 1. Nacht geankert, als das Donnerwetter losging

Der Domplatz, rechts der Dom, der einfach um die griechischen Säulen herum gebaut wurde

Ankunft in Siracusa

Da war nicht mehr viel zu sehen in dem Regen und Sturm



Nach dem Gewitter, zum Glück bei uns keine Totalschäden der Elektronik

Der arabische Einfluss ist überall sichtbar

Das sieht nicht gut aus, was sich da schon wieder zusammenbraut am Liegeplatz

aber im Hafen fühlt man sich doch etwas sicherer... und schön ist der Anblick der Altstadt
Langsam verstehen wir die Situation, in der wir uns gerade befinden. Es ist nicht allein der Frust, dass wir keine Buchten mehr haben, in denen wir ankern und vom Schiff aus baden können, denn die gibt es auf der so exponierten Insel Sizilien kaum welche, sondern nur ziemlich gewöhnungsbedürftige Fischerhäfen und 3 einfache Marinas, sondern es ist wirklich die momentane Wetterlage. Ein paar erfahrene Weltumsegler warten auch seit Tagen auf stabileres Wetter und so kommt man ins Gespräch. Was sich hier abspielt, ist selbst für alte Hasen seit 15 Jahren auf dem Schiff lebend, nicht normal. Der Sommer ist vorbei und der Wechsel zum Herbst vollzieht sich ziemlich abrupt. Wir hatten ein Gewitter mit "Thunderstorm", das nicht nur in den Restaurants die Tische und Stühle weggefegt und der Regen die Gulliedeckel aus den Löchern hob, sondern auch drei Schiffe erwischte, bei einem dtsch. die gesamte Elektronik Totalschaden. Ich will damit nur sagen, dass auch andere zu kämpfen haben. Angeblich wurde von den Herrschern in vergangenen Zeiten jeder Kapitän sofort geköpft, der in dieser Region im September unterwegs erwischt wurde und in dieser Jahreszeit das Schiff seiner Hoheit riskierte. Ok, das ist nicht gerade aufmunternd. Was wir hier erleben macht uns demütig und vorsichtig. Ein sehr nettes Ehepaar aus Seattle, seit Jahren unterwegs in "THE MED", versicherte uns, dass sie nirgendwo so unkomfortable Wellen und unberechenbaren Wind erlebten, wie immer hier zwischen Sommer und Herbstsaison. Sie unterbrechen jetzt wie auch manch anderer hier die Segelei, legen das Schiff nach Ragusa, ein preiswerter Tipp unter Seglern zum Überwintern. Aber es gibt auch Segler, die weitermachen, wenn sich in ca. 4-5 Tagen das ganze beruhigt hat und der Mist über Korsika sich nicht weiter zum Tropen-Cyklone ausdehnt, was aber wohl nicht der Fall ist. Es soll tatsächlich ruhiger werden, und darauf warten wir nun auch, selbst wenn dann nur noch Motoren und kein Wind zu erwarten ist. Da müssen wir durch und wir haben beschlossen, die Zähne zusammen zu beißen und auch mal einpaar Tage Marina zu bezahlen. Und wir machen uns so gut es geht keinen Termin-Druck mehr. Es geht einfach nicht und es kann nicht sein, dass wir immer noch seit 2 Monaten unterwegs das Gefühl haben, keine Zeit zu haben. Wir genießen das JETZT, schauen uns die faszinierende Stadt Syrakus an, die in ihren Ursprüngen auf ein paar hundert Jahre vor Christi Geburt zurück geht zu den alten Griechen. Vieles ist auch griechisch ausgeschildert, Straßennamen etc. Es gibt einen alten Apollo Tempel und der Dom ist sozusagen um griechische Säulen herum gebaut worden. Sie stehen noch als heidnische Zeugnisse und man kann den ganzen Wandel gut sehen. Wir waren zwei mal auf dem täglichen Markt, der so richtig süditalienisch temperamentvoll, so wie herzlich, fröhlich Appetit macht. Einfach zwei Scheiben Tunfisch in die Pfanne, so etwas habe ich noch nie gegessen. Also wir machen nicht nur das Beste draus, sondern genießen das Treiben hier in den Gassen, die jede eine Filmkulisse sein könnte. Es braucht immer ein paar Tage, anzukommen, und dann, wenn man gerade Wurzeln schlägt, muss man den richtigen Zeitpunkt erwischen, wieder aufzubrechen. Wir empfinden die Abhängigkeit vom Wetter als extrem und es ist schwer, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, auch wenn jeder Segler hier seine Tipps und Quellen hat. Aber wir stoßen uns jetzt die Greenhorns ab und entweder schaffen wir die Bewährung, oder nicht. Vielleicht auch mit Hilfe von Crew-Erweiterung (danke Thomas für Dein Angebot!) Nur müssen wir aufpassen, dass uns dadurch nicht neuer Termindruck (Flüge etc.) entsteht. Heute morgen hatten wir fest beschlossen aufzubrechen, ein kleines Wetterfenster zu nutzen mit 3-5 Bft. Wind auf nur 30 SM bis Marzamemi an der Südspitze, hatten den Wecker auf 6 Uhr gestellt, es war windstill. Und gerade beim Leinen lösen kam er wieder der Sound heulender Wanten. Wir sind doch geblieben - und alle anderen auch, egal ob Millionen-Yachten oder kleine 30-Fuss Schiffchen.  

Montag, 3. September 2012

Syrakus

Wir liegen heute, 3.9. sicher im Hafen. Die letzte Nacht waren wir draußen in der südl. Bucht von Syrakus - und (ich schreibe emotionsloser, ohne zu bewerten) es war wieder eine Nacht mit Ankeralarm, aufstehen, Licht an, Schiffe hinter uns rissen schon los vom Anker. Das kann man mit der Wärmebild-Kamera wunderbar sehen und auf dem Radar zusätzlich, ob sich die Distanzen verändern. Es ist seltsam, wenn ein Schiff im Dunkeln mit slippendem Anker auf einen zu treibt, oder man selbst nicht ganz genau weiss, ob das eigene Schiff noch im Sturm hin und hertreibt oder auch schon los ist.  Wir sind ein eingespieltes Team, waren nicht mehr so aufgeregt, Maschine auf Standby, aber unser Anker hielt die wahnsinnigen Böen aus, die das Gewitter mit sich brachte. Ein heftiger Regen beruhigte den Wind, und wir schliefen heute lange aus. Weil schlechtes Wetter die nächsten Tage vorhergesagt ist und wir keine Lust mehr auf Stress haben, sind wir nun in den bewachten Hafen gefahren und können uns in aller Ruhe die interessante Stadt anschauen, bei Wind und angenehmen 24 Grad.

Sonntag, 2. September 2012

Versöhnung

Heute nacht hörte der Sturm schlagartig innerhalb von 2 Minuten auf und es war mucksmäuschen still. Wir haben doch noch ein paar Stunden gut geschlafen. Heute morgen präsentierte sich uns dann der Ätna (Etna) von seiner schönsten Seite. Für einen Moment stand der Mond noch darüber und als die Sonne aufging, war der Berg für kurze Zeit so klar wie auf dem Bild zu sehen. Nur der Vulkan dampfte noch. Dieser Anblick ist selten, wenige Minuten später war wieder alles in Wolken verhüllt.
Da es nicht viele Marinas im Osten und Süden Siziliens gibt, haben wir uns um 8 Uhr aufgemacht und steuern auf Siracusa zu. Das Wetter soll (diesmal einheimische Fischer und Marineros befragt) ruhig bleiben. Wir werden sehen... Erst Montag rollt die nächste Front heran. Wir waren überhaupt nicht an Land, hatten keine Schlüssel für Sanitär abgeholt, sondern im Schiff geduscht, und Strom und Wasser brauchen wir sowieso nicht. Heute morgen waren wir nur noch bei der Rezeption zum Tanken, haben gefragt, was wir schuldig sind (Der Diesel ist verdammt teuer in Italien mit 1,80- 1,85), ca 30 Ltr. 58 Euro. Ja, da habe ich nicht drauf bestanden, den Liegeplatz noch zu bezahlen. Ich hatte den Eindruck, dass die beiden Marineros, die uns gestern beim Anlegen lotsten, einfach so beeindruckt waren, dass wir das alles zu Zweit meistern, dass sie den Rest vergessen haben. Oder weil wir nichts gebraucht und keine Bootspapiere abgegeben hatten. Ist auch egal. Wir freuen uns - und  noch verfolgt uns kein Carabinieri-Schnellboot.
Der Ätna, der größte und einer der letzten aktiven Vulkane Europas, 3300m hoch - in seiner ganzen Schönheit

Der Blick von unserem Schiff auf den Ätna

Zwar war ich nicht hier drin beten, aber es geht auch ohne die unzähligen Kirchen, die heute (So morgen) uns aus dem Schlaf bimmelten, damit wir den Ätna nicht verpassen...


Samstag, 1. September 2012

Es bleibt schwierig

angekommen in der Marina Porto dell`Etna
Es ist offenbar die falsche Jahreszeit, oder das falsche Segelrevier, oder die Klimaerwärmung, die selbst die Meteologen nicht mehr kalkulieren können, jedenfalls haben wir heute wieder einen kräftigen Sturm auf die Nase gekriegt. Ich mag es ja kaum noch schreiben, aber auch kaum selber glauben. Und dabei haben wir alles so vernünftig gemacht: 5.30 uhr abgelegt, die 2 Bft, am Nachmittag abschwächend auf 1 Bft versprachen eine ruhige Querung der Straße von Messina - bis dann der Himmel schwarz wurde und das weiträumig bis zum Ätna. Die letzten eineinhalb Stunden haben wir uns dann wieder gegen 26-28 Knoten angekämpft, und im Hafen war es sehr schwierig anzulegen. Wir sind dennoch stolz, dass wir es geschafft haben, ist doch ein ital. Schiff mit Männer-Crew ca. 30 Min auf und ab gefahren, um das Schiff zu drehen. Normal ist das alles nicht - und ich muss sagen, leider - es macht keinen Spaß so. Wir sind einfach nur froh, das Schiff irgendwie an den Quai bekommen zu haben, mit 3 Moorings gesichert, es steht ein halber Meter Welle dagegen und die Nacht wird sicher wenig Schlaf bringen, statt welchen aufzuholen. Und die Krönung: Wenn wir die Schlitzohren an der Hafeneinfahrt richtig verstanden haben, kostet die Nacht 190 Euro. Da sagt Monika zu Recht, so viel haben wir im Leben noch nie für ein Hotel ausgegeben, und hier können wir noch nicht mal in die Waschräume, weil es zu riskant wäre, das Schiff für die Leiter nah genug an die Kaimauer zu ziehen. Wir verlassen die LIZA auch nicht, so wie es da rappelt. Ein Blick noch auf die Gribfiles sowohl von Wetterwelt wie auch Bonito zeigte keine Korrektur, steht immer noch 2 Bft. Die Regenfront ist angegeben, auch großflächig, aber der Wind völlig verkehrt. Nach den Prognosen bleibt das Schlechtwetter ein paar Tage, und Wind aus S bis SW, also nicht gut, um nach Süden zu kommen. Man ist schon ziemlich abhängig vom Wetter, und was uns hier fehlt, sind die Buchten, wie auf Sardinien oder den Balearen. Die Marinas kann sich keiner leisten. Anyway, jetzt gehen wir erst mal schlafen - oder lassen uns schaukeln. Ich bin stolz darauf, wie Monika das wieder hinbekommen hat mit den Mooringleinen , Zentimeter dick, eigentlich für die Fischerboote, passten kaum unter unsere Klampen.
Gerade wird die alte Kathedrale beleuchtet. Vielleicht sollte ich den Tag morgen mit Beten beginnen. Das habe ich bisher noch nicht probiert. 
noch 1,5 Std. lagen vor uns...

Freitag, 31. August 2012

Danke euch allen!!

Wir sind wirklich sehr bewegt von all euren lieben, unterstützenden, Mut machenden oder einfach aufmunternden emails. Sie haben uns sehr aufgebaut.. Ich schaffe es bei der irren Hitze gerade nicht, jedem direkt zu antworten, aber morgen soll es schlechtes Wetter geben, d.h. Wolken, Regen. Ja Regen. Wir freuen uns drauf, auch wenn die Harbour Authority hier schon wieder sagt, wir sollen aufpassen, das schlechte Wetter läge vor uns auf dem Weg nach SW. Aber ich habe alle, ja ALLE Wettervorhersagen gecheckt und sie sagen bis mittags 2 Bft, dann kaum noch Wind. Also, auf nach Sizilien. Ist noch mal ein längerer Schlag, drückt uns die Daumen! Wenn das Wetter ruhig ist, komme ich unterwegs zum Schreiben bei hoffentlich angenehmer Abkühlung. Und die Tanks sind voll. Plus Reserve-Kanistern  :-)

Check-in/OK message from Nachricht vonCrew LIZA Position SPOT SPOT Nachrichtenübermittler/Kurier.

Crew LIZA Position
Latitude:Breitengrad38.32855
Longitude:Längengrad16.43649
GPS location Date/Time:GPS-Aufenthaltsort Datum/Uhrzeit08/31/2012 06:53:25 PDT

Message:Message/ NachrichtCrew von LIZA gut angekommen! Antwort auf Satphone hier: www.catamaran-yachtcharter.blogspot.de/p/kontakt.html

Klicken Sie auf den untenstehenden Link um zu sehen, wo ich gerade bin.
http://fms.ws/9QvH4/38.32855N/16.43649E

Wenn der obige Link nicht funktioniert, versuchen Sie diesen Link:
http://maps.google.com/maps?f=q&hl=en&geocode=&q=38.32855,16.43649&ll=38.32855,16.43649&ie=UTF8&z=12&om=1

Crew LIZA Position

Sie haben diese Nachricht erhalten, weilCrew LIZA Position hat Sie zu seiner/ihrer SPOT-Kontaktliste.

. Share Yours.Jeder Tag ist ein Abenteuer. Erzählen Sie uns Ihrs.{0} http://www.findmespot.com

Donnerstag, 30. August 2012

Ein guter Tag, Rocella Ionica

Unsere schöne makellose D-Flagge wurde in einer Nacht so vom Sturm so zerzaust
Heute war ein Bilderbuch-Segeltag, also hat es das Schicksal gut mit uns gemeint. Das war auch dringend nötig. Wir haben uns erst mal entspannt, Monika hat leckeren Kartoffelbrei und Möhren-Rohkost gemacht, also wieder Normalität an Bord mit Aufräumen, Wassermacher reparieren (läuft wieder, war wohl auch durch den Sturm die Befestigung der Förderpumpe aufgegangen und dadurch Leck und kein Druck). Entscheidungen treffen wir überlegt und besonnen, werden uns äußern, wenn es so weit ist. Nachdem ich Liza verflucht hatte, versuche ich es heute mit ein wenig Stolz, dass sie es ausgehalten hat und ich auch - 30 Std. quasi ohne Schlaf am Rad drehen, nur Wellen Steilflanken beobachten und entscheiden, welche ich "angreife" oder absurfen muss, weil ich nicht gegen an komme. Vielleicht muss ich mich auch damit anfreunden, lange Strecken den Nerven zuliebe nur bei angesagten 2-3 Bft anzugehen und damit verbunden auch mal längere Strecken zu motoren. Das macht Monika auch nichts aus, und ich kann dann mal schlafen. Ab zwei Meter Welle sind die Schläge gegen den Bug so hart und laut, dass man es gar nicht erst probieren braucht, sich auszuruhen. Ob das auch von Sardinien nach Mallorca funktioniert muss ich überlegen. Unsere Tochter ist dann mit Freund dabei. Vielleicht hat noch jemand von Euch Lust, mitzusegeln ? 

Wie geht es weiter?

Wir hatten eine grauenvolle Überfahrt von Korfu nach Italien Le Castello. Ich mag darüber jetzt noch nicht viel schreiben. Zu sehr sind wir mit dem Erlebten und dessen Konsequenzen beschäftigt. Der Gedanke, nach 5 Tagen auf Korfu Warten auf Wind endlich den vorhergesagten  5 Bft. Wind von Nord mitzunehmen und Halbwind die 150 SM zu segeln, statt zu motoren, war ja grundsätzlich gut. Was dann kam, hat uns verändert. Ein 8 Bft mit tag- und nachtlang 30-35 kn wäre ja noch zu ertragen gewesen, wenn nicht eine fürchterliche Kreuzsee, 3-4m hohe Wellen, die gegeneinander schlugen, uns das Leben so schwer gemacht hätten. Der Golf von Taranto ist ja hinlänglich als gefährlich bekannt, und wir wollten ihn möglichst umfahren, deshalb weiter südlich. Ich habe dann einen Tag und eine Nacht am Steuer gestanden, weil Adria und Golf gegeneinander kämpften. Es war ein Brodeln, keine Welle mehr zum absurfen. Die sehr steilen Wellen waren nicht dem Autopiloten zu überlassen. LIZA hat sich wacker geschlagen, aber wir wurden nicht nur klatsch nass von allen Seiten (selbst das Dingi lief voll Wasser von hinten), sondern es bleibt die Frage, warum man sich das antut. Wir hatten gestern glücklicherweise einen wunderschönen Tag in Le Castella, haben die süditalienische Fröhlichkeit der Catalanen genossen und das Castell ausführlich im Abendlich angeschaut, nette Segler im Hafen kennengelernt. Aber es ist etwas in den Knochen hängen geblieben, an dem wir ziemlich zu arbeiten haben und es wird Folgen haben, was unser Projekt betrifft. Solche großen Nachtfahrten mit dem Risiko einer Wiederholung dessen, was ich in 2o Jahren Segelei bisher noch nicht erlebt habe, werden wir nicht mehr zusammen riskieren. Es fehlen mir jetzt noch die Worte, diese Brutalität zu beschreiben, obwohl letztlich alles gut gegangen ist. Wir könnten auch sagen, es war eine positive Erfahrung, was Mensch und Material aushält. Aber das allein wäre nicht die Wahrheit. Heute fahren wir nur 45 SM bis Rocella Ionica, tanken, hoffentlich mit mehr GLück, als letztes Jahr mit Peters Katamaran, wo der Tankschlauch vom Tankwagen geplatzt ist und das Teakholz in Salon mit Diesel geölt wurde... Ich muss jetzt mal den Wassermacher untersuchen. Seit dem Sturm läuft er nicht mehr und leckt irgendwo. Aber wie Peter immer sagte, diese Dinge sind behebbar. Und noch ein Zitat, gegen dass ich mich immer so gewehrt habe aber jetzt ist es angebracht: Das Leben könnte so schön sein...
Wir freuen uns jetzt erst mal sehr, dass die Kinder in Kanada gut angekommen sind. Und wir haben für einen Monat wieder einen italienischen Internet-Stick.
Hier war die Welle noch in Ordnung, zwar auch knapp 30 Kn  konstanter Wind, aber eher Gischt und von der Seite. 

Montag, 27. August 2012

Umgekehrt

Wir sind wieder in die Bucht Afione zurück gekehrt. Und waren nicht die Einzigen. Der Wind war deutlich stärker als vorhergesagt, und die daraus resultierende Welle war uns einfach zu brutal. Wegen der hohen Berge ringsherum sind hier zwar auch starke Fallböen in der Bucht, aber die Welle wenigstens nur max 1 Meter. Der Anker hält, Ankeralarm läuft. Leider bleibt es bis morgen Mittag so. Wir haben ziemlich die Nase voll, zumindest vom Mittelmeer. Das gibt sich vlt. wieder, aber dazu schreib ich jetzt mal lieber nichts...

Sonntag, 26. August 2012

JETZT den Augenblick genießen

Gestern haben wir bewusst etwas Gutes für die Seele getan und bei einem Fischer, den wir kennenlernten, als wir ankamen, eine von ihm gefangene Dorade zu Zweit gegönnt. Wir haben sozusagen gefeiert, dass wir das alles recht gut bewältigen und alles gut ist, wie es ist - auch vor allem bei unseren Kids, die sich ganz tapfer in der Ausbildung bzw. die Jüngste zum Aufbruch für ein Jahr in Kanada arbeiten und Reisen nächste Woche zusammen reißen. Wie gern wären wir zum Abschied dort, auch wenn wir nur bis zum Flughafen helfen könnten. Ob jeder sein Glück auf seinen Wegen findet, wird sich zeigen. Es hängt ganz viel davon ab, wie weit man bereit ist, den Augenblick zu genießen und zu feiern und die unschönen Momente zu überwinden oder zu ändern. Das kann man auch zu Hause lernen, aber beim Reisen MUSS man es lernen.
Ich könnte jeden Tag unglücklich sein, weil ich eben nicht meine liebsten, nächsten Menschen um mich habe. Die Sehnsucht nach Freunden (als Bestandteil von Heimat) können wir beide an Bord nicht miteinander teilen, weil wir sie beide haben und somit nur addieren. Wie wunderbar ist es dann, wenn uns Gedanken von Euch erreichen. Heute Morgen von Tine ganz lieben Dank für: "Am Ende sind wir vielleicht nur erfüllt von der Unerfüllbarkeit unserer Wünsche. „Unsere Sehnsucht ist ein Lob an die Welt, das oft zur Sprachlosigkeit führt- und die vielleicht passendste aller Äusserungen der Sehnsucht ist“

Wir fahren morgen früh um 4 Uhr los nach Italien, ob mit oder ohne Sehnsucht, Neugier, Mut etc. ist egal. Jedenfalls mit (viel) Wind. Wenn es uns nicht treibt, lassen wir uns treiben vom Maistral. In "Le Castella" melden wir uns wieder. Unseren Kids alles Gute für den Flug nach Kanada und freut euch miteinander auf die weite Welt. Nach dem Losfahren, auf dem Weg kommt die Freude, das haben wir nun oft erlebt.
Mittlerweile empfinde ich die Sonne zwar ein wenig bedrohlich, weil man sich kaum dagegen schützen kann, aber schön aussehen tut sie immer noch....

Die Felsen von Korfu im Morgenlicht nach der ersten langen Überfahrt zu Zweit


Die "Zwillingsbucht", in der wir vor 16 Jahren mit unseren Kids schon zusammen waren

Samstag, 25. August 2012

Zeit zum Nachdenken

Heute haben wir uns in der Bucht eingelebt. Es brauchte etwas länger, weil wir wegen Nachtfahren erschöpft waren und dann auch noch anderer Frust dazu kam. Nun habe ich aber endlich ein WIFI Netz gefunden, das ich von Bord aus mit der WLAN Antenne nutzen kann. Ist zwar auch sehr langsam, aber ok und kostenlos. Wir kaufen in dem dazu gehörigen Markt auch kräftig ein. Frische Feigen aus Korfu, Oliven uvm. Das tat der Seele gut, ebenso eine Nacht im Freien auf dem Trampolin unter dem Mückennetz geschlafen. Besser als in der Koje schwitzen und wach herum liegen. An die Geräusche musste ich mich zwar auch gewöhnen, aber die griechische (Volks-) Musik geht nicht so auf die Nerven, wie die basslastige Diskodröhnung in vielen kroatischen Häfen. Wir liegen bewusst ziemlich weit draussen mit dem Kat, sind seltsamerweise seitzwei Tagen das einzige Schiff in der ganzen großen Bucht.

Die Wahrnehmung von sich selbst wie auch der Umgebung schwankt stärker auf dem Schiff, als an Land. Ich reagiere auf alles sensibler, auf Glück wie auch auf Ärger. Ob das gut ist oder nicht, ich kann es (noch) nicht ändern. Dinge, die ich zu Hause gar nicht bemerkt habe, können ein dickes Problem sein: z.B. dass es fast unmöglich ist, die automatischen Updates aller Windows-Programme zu verhindern. Es ist verrückt, was da immer noch im Hintergrund abgeht und ein ohnehin Schnecken-Netz dann zum erliegen bringt.
Während wir hier auf den am Montag günstig vorhergesagten Wind nach Italien warten (Le Castella Marina ist avisiert und reserviert in der Marina für die Nacht von Di auf Mi), komme ich natürlich auch zum Nachdenken. Da sind sie wieder, die ganzen Fragen. Was ist Glück, Warum mache ich das eigentlich, das Leben könnte so viel bequemer sein an Land. Warum habe ich immer noch eine Ungeduld in mir, die natürlich auch durch Angst vor Unvorhersehbarem genährt wird. Wir liegen gut hier mit Sandgrund und 50m Kette, aber der Kat dreht stündlich,Strömung und nach Westen offenes Meer. Aber es ist ja ruhig, kaum ein Wind. Und sobald der am Montag Nacht aufwacht, heisst es Anker auf und los. Kann also nichts passieren, sagt der Kopf. Glück sagt Monika kann eigentlich erst in absoluter Geborgenheit und Sicherheit entstehen. Das ist an Bord fast nie der Fall...  Es sind tausend kleine Dinge, die erst nach einer Weile auffallen und bewältigt werden müssen. Das enorm viele Salz im Mittelmeer macht nicht nur der Haut zu schaffen, sondern auch dem gesamten Material. LKW-Spanngurte sind schon verrottet (beinahe wäre uns der Aussenbord-Motor vom Kran gefallen, weil der Riemen einfach morsch und gerissen ist. Die schön blank geputzen Edelstahl-Teile rosten alle. Die teuersten Edelstahlsorten sind voll von (Flug-)rost und müssen immer wieder geputzt werden. Das ist so gar nicht mein Ding. Alles was man tut oder nicht hat sofort gewünschte oder unerwünschte Folgen. Das hat es bisher in meinem Leben so nicht gegeben. Auch die eigene Laune kann (muss) allein ich positiv oder negativ steuern. Den einzigen und zweiten Skipper an Bord will man nicht unnötig belasten (beiderseits), jeder hat mit sich selbst genug zu tun und doch sind wir ganz voneinander abhängig. Das gelingt uns bisher sehr gut. Das Einstellen auf dauernd neue Situationen dafür nicht so gut. Insbesondere das extreme Wetter (Hitze), die Windsituation (von der Bobby Schenk sagte, das Mittelmeer sei Sch...e, entweder zuviel oder zu wenig Wind, zu heiss oder zu kalt). Auch die Fischer beschreiben die Extreme deutlich. Und dann sagen wir uns wieder, wir müssen halt weiter, auch wenn der Wind dann gleich wieder heftig mit 6 Bft nächste Woche bläst. Ohne ist auch doof. Ja, man hätte gern immer die goldene Mitte. Wo gibt es dieses Paradies? Wie lange bin ich dem unbequemen Leben an Bord gewachsen? Na, zu viel Nachdenken ist jedenfalls auch ungesund. Man braucht schon ziehmlich innere Stärke. Auch an bestimmten Riten festzuhalten, wie Essen, auch wenn man keinen Hunger in der Hitze hat, usw.
Es ist nicht immer so viel Genuss und Hochgefühl, wie man sich in den kühnen Träumen vorgestellt hat. Und wenn wir manchmal gar keine Lust mehr haben, wieder irgend eine in den Führern "karibikähnliche" "Traumbucht" anzusteuern, sondern einfach bleiben wollen, wo der Anker hält, wo man vielleicht mal etwas Heimat findet, oder auch nur Ruhe (weil allmählich daran gewöhnt) , dann sagen wir uns, dass wir nicht alle schönen Ecken gesehen haben müssen. Wir haben ein Ziel, Kanada, das uns motiviert. Das Leben im Jetzt gelingt halt nicht immer. Es steht der ein oder andere Crewwechsel Termin an, wir freuen uns auf Besuch, auch wenn das wieder neue Situationen gibt, Befindlichkeiten der Gäste (unsere eigenen reichen manchmal schon...). Das sind dann auch die Antriebe. Nicht immer die Neugier auf Neues. Auch daran muss ich mich gewöhnen, dass die Sinne manchmal fast überreizt sind - bei so viel Neuem was auf uns einwirkt - und von der übrigen Welt ausserhalb des Schiffes sind wir ja auch nicht abgenabelt. Jedes Mal Internetzugang bringt einen Berg von Dingen zu regeln. Auch das muss ich annehmen. Es ist gut, dass es noch ein anderes Leben gibt für die Zeit nach dem Törn. Ich begreife auch, dass es gut ist, dass wir noch unsere Heimat in Solingen haben. Es ist nicht nur so, dass der Kopf auch dort immer noch zusätzlich Entscheidungen treffen muss, sondern es ist auch Wurzel, Halt, Perspektive. Genau wie das zweite Bein Kanada. Es nimmt uns tatsächlich auch den Druck, dass alles Glück nur noch an Bord stattfinden kann. Das heisst nicht, dass wir abbrechen könnten. Manchmal ist uns zwar danach, und es wäre so leicht, nach "Hause" zu fliegen. Aber das stand bisher nicht zur Debatte. Doch, einmal war ich nah dran, und bin dankbar, dass Monika mich fest gehalten hat.
So, jetzt wird es einfach wieder zu heiss zum Schreiben und das Boot schwankt heftig in DünungsWellen, die weit draussen vom Meer kommen. Ich lad jetzt mal hoch ohne zu lesen, bevor ich es lösche... vorausgesetzt, das Internet geht überhaupt noch.. 
In Italien müssen wir uns unbedingt eine SIM-Card kaufen, am besten mit 1 GB Datentransfer....
Anfahrt Korfu in der Abendsonne nach ca. 50 Std. / 200 SM seit Dubrovnik.

So kann ich endlich auf dem Trampolin schlafen trotz der Hitze

Freitag, 24. August 2012

Wir werden Griechenland überspringen

Es ist brüllend heiß auf Korfu, 40 Grad im Schatten ist definitiv zu viel für uns. Wir liegen ziemlich apathisch herum, haben noch einen Bruchteil unserer sonstigen Energie. Es ist so heiß, dass ich von der Internet Bar auf dem RÜckweg gestern einfach mit Hose und T-Shirt ins Wasser gegangen bin, damit die Sachen feucht sind und besser kühlen. Was ich mit dem erweichten Gehirn vergessen hatte: mein iPhone war in der Hosentasche, was ich sonst nie mache ohne wasserdichte Hülle, aber es ist das einzige eigene Gerät gewesen, mit dem ich mich ins Bar-Netz einloggen konnte und nicht mit den komischen griechischen Tastaturen herumschlagen musste (Z-Y vertauscht etc). Tja, das hat es nicht überlebt. Ich war echt nochmal "am Ende". Eigentlich war es noch der iTupf... Also ich werde NIE wieder jammern, dass es in Deutschland immer nur regnet. Ich schreib vom Handyverlust aber vor allem, weil ich deshalb z.Zt. keine SMS auf dem Mobilphone empfangen kann, bzw. nur noch einmal am Tag meine Sim-Karte in Monikas iPhone stecke, falls Buchungsanfragen dabei sind. Ihr könnt euch die Hitze hier nicht vorstellen.
Wir werden deshalb so bald wie möglich Griechenland verlassen. Uns war klar, dass es im August überall heiß sein würde, aber das ist einfach zu viel. Da hält man es nur draußen auf dem Meer aus, wo es dann wenigstens keine Mücken gibt und die Luken nachts Wind herein lassen. Montag sind 8 Bft Maestral angesagt, das ist wieder Sturm , dann sind wir spätestens hier weg aus der Bucht und fahren evtl. nach Castello, am Fussballen von Italien. Dann ist dort der August zu Ende, in dem nichts offen hat in diesem Land und wie hoffen, dass es im September etwas kühler wird. Ja, es ist nicht einfach nur schön. Es hat alles seinen Preis. Wir lassen uns aber nicht unterkriegen, geben aber zu, dass wir gerade gern wo anders wären, im Wald oder in Kanada. Nein, wir spinnen nicht, aber warum soll ich nicht schreiben, wie es ist. Macht euch keine Sorgen, it is wat it is. Ich bin unsagbar dankbar, dass Monika gerade einen recht kühlen Kopf bewahrt. Sie schlug vor, jetzt nicht noch den Druck zu machen, lauter weitere schöne Buchten der Ionischen Inseln genießen zu "müssen" (wir können nichts mehr aufnehmen), sondern jetzt unseren "Auftrag" abzuarbeiten, das Schiff nach Kanada zu bringen. Das gibt wieder Auftrieb. Aber irgendetwas unternehmen (Einkaufen etc.) definitiv erst heute abend, wenn die Sonne untergegangen ist.      
Gerade habe ich noch Wetterinfos bekommen: Der Wind wird erst nächste Woche auf Halbwind Kurs (Nord) für uns brauchbar drehen. Aber es wird wohl wenigstens etwas kühler (1-2 Grad :-)


Donnerstag, 23. August 2012

Ausklarieren aus Kroatien

dieser eintrag ging vor ein paar tagen nicht online. keine ahnung warum....  ja, das liebe internet......

Unsere Gäste sind heute morgen von Bord gegangen. Marcus, Steffi, Marc und Marie haben gesagt, es sei einer der schönsten Urlaube mit der Familie gewesen. Wir freuen uns sehr darüber, denn wir haben auch viel gelacht.
Nun ist das Schiff wieder geputzt, wäsche gewaschen uvm, was man in einer Marina so erledigen kann bei 35 Grad im Schatten.
Gestern haben wir uns noch die wunderbare Stadt Dubrovnik angeschaut. Die Busfahrt war fast ein Schock, nachdem wir 5 Wochen lang in keinem Auto oder Bus mehr gesessen haben. Diese vielen Menschen und die damit verbundenen Gerüche waren genug für die nächsten Wochen. Wir sind reif für ein paar Tage nichts als Horizont. Vielleicht gibt es beim Zoll in Cavtat noch Internet, ansonsten müsst ihr euch etwas gedulden, wir müssen nun mal Strecke machen.

Welcome Greece

ganz kurz habe ich internet... wir sind nach mehr als 200 SM und 50 Stunden angekommen auf Korfu, in der Bucht , wo wir vor 16 Jahren mit unseren kids einen schoenen Urlaub in der von ihnen so genannten Zwillingsbucht verbracht haben. Damals hatte ich mir geschworen, irgnewann noch mal wieder hier her zu kommen. Nun sind wir aber erst mal muede und sehr bewegt zugleich , viele Familienerinnerungen und in den letzten Tagen viele neue Erfahrungen zugleich. Darueber denke ich jetzt und hier aber nicht nach, versuche erst mal irgendwie internet zu bekommen. Dann kann ich mal ausfuehrlicher schreiben. Wir koennen die naechsten Tage SMS auf Mobilfunk empfangen. Und wir segeln wohl morgen auf die Ostseite nach Corfu Stadt zum einklarieren. Dort gibt es sicherlich SIM Cards zu kaufen. Hier sind nur zwei total ueberlastete Bars in der Bucht...  Aber dafuer ein grosser Sandstrand. Unsere Kids kennen ihn.... Wir denken viel an euch